Supplement: Reisemagazin
INSEKTENABWEHR: Schutz vor Mücken und Moskitos
Dtsch Arztebl 1998; 95(10): [30]
reisemedizin


In tropischen und subtropischen Feriendomizilen können Mücken oder Moskitos zur ernsten Gefahr
werden. Neben Lokalreaktionen der Haut kann es zum Beispiel bei Allergikern
zu bedrohlichen Situationen kommen. Darüber hinaus können durch einen Insektenstich auch gefährliche
Krankheiten wie Malaria übertragen werden. Wirksamen Schutz vor lästigen und stechenden Insekten bieten
Insektenabwehrmittel, die sogenannten Repellentien.
Repellentien sind in der Regel Flüssigkeiten mit einem hohen Siedepunkt, womit schon bei Raumtemperatur
eine Verdampfung erfolgt. Nach dem Auftragen auf der Haut verdunsten diese Flüssigkeiten in die Luft und
bilden somit eine Schutzzone in kurzem Abstand über der Haut.
Richtig angewandt, bieten gute Repellentien bei Mücken einen sechs- bis achtstündigen Schutz, was im
Schweizerischen Tropeninstitut in Basel nachgewiesen wurde. Die fehlerhafte Anwendung führt jedoch zu
Mißerfolgen, was dann zu Unrecht in der Regel den Präparaten angelastet wird. Gerade die Dauer der
Schutzwirkung ist oft Anlaß zu Beschwerden. Dabei muß berücksichtigt werden, daß diese von der Art des
Insektes abhängt. So wirken gute Präparate zwar 6 bis 8 Stunden gegen Stechmücken, nicht aber gegen Bremsen
oder Wespen. Noch weiter, nämlich bis auf nur 2 Stunden, verkürzt sich die Zeit bei der Wirkung gegen Zecken.
Auch die Temperatur, Luftfeuchtigkleit und der Wind beeinflussen die Wirkungsdauer. Ebenso macht es einen
Unterschied, ob man beim Sonnenbad auf dem Balkon liegt oder beim Sport stark schwitzt.
Hautverträglichkeit
Wichtig ist es ferner, daß alle unbedeckten Hautpartien lückenlos eingerieben sind. Mit ihrem Ortungsvermögen
nutzen Mücken jeden Zentimeter unbehandelter Haut zum Stich. Sollen gleichzeitig Kosmetika, wie
Sonnenschutzmittel, verwendet werden, so muß das Repellent zuletzt aufgetragen werden. Vielfach sind
hautpflegende Komponenten Bestandteil von Insektenrepellentien, so daß eine gute Hautverträglichkeit die
Regel ist. Vorsicht ist aber im Zusammenhang mit Schleimhäuten von Augen, Mund und Nase geboten, da die
Repellentien auf die Schleimhaut reizend wirken können. Säuglinge und Kleinkinder leiden besonders unter
Insektenstichen. Trotzdem sollte man sie nicht mit jedem beliebigen Abwehrmittel behandeln. Erstens ist ein
Verreiben im Schlaf oder beim Spiel auf die Schleimhäute trotz zunächst korrekten Auftragens nicht
auszuschließen. Zweitens wird die empfindliche Kinderhaut unnötig gereizt, denn nur wenige Präparate sind
uneingeschränkt für Kinder geeignet.
Kein Malariaschutz
Unter normalen Umständen führt der Stich selbst einer Biene oder Wespe nur zu einer harmlosen Lokalreaktion
der Haut. Für diese Fälle gibt es in der Apotheke die sogenannten Antihistaminika, die den Juckreiz lindern,
abschwellend sowie entzündungshemmend wirken. Gefährlich sind Situationen mit einer Vielzahl von
Insektenstichen. Wenn dann in Folge noch der betroffene Arm oder Bein anschwillt, ist der Besuch des Arztes
zwingend. Besonders gefährdet sind Insektenallergiker; hier kann nur ein Stich einer Biene, Wespe oder Bremse
innerhalb weniger Minuten zu unterschiedlich stark ausgeprägten Symptomen führen. Im Extremfall reichen
diese von Blutdruckabfall, Ohnmacht bis hin zum Kollaps, was eine Notfallbehandlung bedingt. Neben einem
zuverlässigen Repellent ist hier gezielte Diagnostik und Therapie eines Allergologen unabdingbar.
Insektenrepellentien gehören als wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge nicht nur in die Haus-, sondern
gleichfalls in die Reiseapotheke. Beachten muß man jedoch, daß Repellentien alleine keinen Schutz vor Malaria
bieten. Bei der Reise in gefährdete Gebiete ist eine entsprechende Prophylaxe damit zwingend notwendig.
Thomas F. Voigt
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