Referiert
Krebserkrankungen: Hohe Kosten durch Depressionen
PP 10, Ausgabe Juli 2011, Seite 312


Onkologische Erkrankungen sind sehr belastend und gehen daher häufig mit Ängsten und Depressionen einher. Die Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf den Versorgungsaufwand von Krebserkrankten im Krankenhaus haben jetzt das Institut für Klinische Psychologie (IKP) und das Medizin-Controlling am Klinikum Herford in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gesundheitsförderung und Versorgungsforschung (IGV) an der Ruhr-Universität Bochum unter Leitung von Dr. phil. habil. Michael Kusch untersucht. Für die Studie wurden 360 Krebspatienten ausgewählt, von denen 245 eine geringe und 115 eine hohe Depressivität aufwiesen. Die Patienten waren ersterkrankt und befanden sich zur Akutbehandlung im Krankenhaus. Anhand der Datenanalysen zeigte sich, dass die Depressivität von Krebspatienten bedeutsam mit Maßen des Versorgungsaufwandes zusammenhängt. Beispielsweise wiesen die Hochdepressiven 34,48 Krankenhausaufenthaltstage pro Patient und Jahr im Zeitraum von zwölf Monaten nach Erstaufnahme im Gegensatz zu 28,53 Tagen bei den Geringdepressiven auf. Signifikant höhere Werte bei hochdepressiven im Vergleich zu geringdepressiven Patienten zeigten sich auch in der mittleren Verweildauer pro Behandlungsepisode (10,92 versus 8,17 Tage), der mittleren Anzahl der ICD-Diagnosen (6,65 versus 5,93 ICD-Diagnosen), der mittleren Anzahl der Operationen und Prozeduren (5,12 versus 4,12 OPS-Kodes) sowie im nominalen und effektiven Kostengewicht der Patienten pro Episode.
„Die Identifikation von Krebspatienten mit einer hohen Depressivität ist sowohl eine ethische Verpflichtung als auch eine ökonomische Notwendigkeit einer individualisierten akutmedizinischen Krankenhausversorgung“, meint Kusch. ms
Institut für Gesundheitsförderung & Versorgungsforschung (IGV) gGmbH am Institut der Ruhr-Universität Bochum, PD Dr. Michael Kusch
Universitätsstraße 142, 44799 Bochum
Telefon: 0234 321 19 57, michael.kusch@igv-bochum.de, www.igv-bochum.de
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