MEDIZINREPORT: Studien im Fokus
Blutungen bei Schädel-Hirn-Trauma: Tranexamsäure könnte Hämorrhagien begrenzen
Dtsch Arztebl 2011; 108(28-29): A-1579 / B-1339 / C-1335


Tranexamsäure mindert Hämorrhagien und das Mortalitätsrisiko bei Traumapatienten mit schweren Blutungen (1). Ob das Medikament auch Blutungen bei Schädel-Hirn-Trauma reduzieren kann, war Fragestellung der Analyse von Daten einer Kohorte aus der CRASH-2-Studienpopulation (Clinical Randomisation of an Antifibrinolytic in Significant Haemorrhage 2; [2]).
Die Einschlusskriterien für CRASH-2 waren Traumata mit starkem Blutverlust oder der Gefahr schwerer Blutungen ohne Kontraindikationen für Tranexamsäure. 20 211 Probanden wurden randomisiert. Eine Gruppe erhielt bei der Akutversorgung Tranexamsäure (Loading Dose: 1 g in 10 Min., danach 1 g in 8-h-Dauerinfusion), die andere Placebo. In die Subgruppenanalyse wurden Daten von 270 Schädel-Hirn-Trauma-Patienten (Glasgow Coma Scale 14 oder weniger) mit computertomographischen Hinweisen auf intrakranielle Blutungen eingeschlossen (n = 133 Verum, n = 137 Placebo). Das mittlere Volumen der Hämorrhagien vor Therapie betrug 16,8 ml im Verum- und 19,8 ml im Placebo-Arm.
Das Anti-Fibrinolytikum verminderte die durchschnittliche Volumenzunahme der Hämorrhagien im Mittel um 3,8 ml. Wegen fehlender statistischer Signifikanz wurde ein Nutzen der Therapie als nicht bewiesen angesehen. Die Rate neuer ischämischer Läsionen betrug 9 % unter Placebo und 5 % unter Tranexamsäure. Die Sterberate lag bei 18 respektive 11 % (Placebo respektive Verum; p = 0,06). Es gab keine Hinweise auf eine Schädigung der Patienten durch Tranexamsäure.
Fazit: Das Anti-Fibrinolytikum sei diesen Daten zufolge sicher, so die Autoren. Die Ergebnisse könnten darauf hinweisen, dass die Vorteile einer Tranexamsäuretherapie die Risiken überwiegen. Die laufende CRASH-3-Studie werde zur Frage der Wirksamkeit einer frühen Tranexamsäuretherapie mehr Aufschluss geben. Rüdiger Meyer
- CRASH-2 Trial Collaboraters. Effects of tranexamic acid on death, vascular occlusive events, and blood transfusion in trauma patients with significant haemorrhage (CRASH-2): a randomised, placebo-controlled trial. Lancet 376; 2010: 23-32 MEDLINE
- CRASH-2 Collaborators (Intracranial Bleeding Study). BMJ 343; 2011: d3795doi: 10.1136/bmj.d3795 MEDLINE
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