Hier in Nordnorwegen (manche sagen auch, dass es die Mitte
des Landessei) gibt es eine spezielle Grundhaltung. Parallel zu einem
positiven Nationalgefühl hat sich in vielen Jahren eine Einstellung
manifestiert, die sich etwa so beschreiben lässt: Wir sind hart arbeitende
Bauern und Fischer, wir sind stolz auf unser Land, wir respektieren den König –
aber dieser ist weit weg und deshalb müsssen wir die Dinge selbst in die Hand
nehmen und tun das auch.
Also ein pragmatischer Individualismus und ein Misstrauen gegen allzu viel
Regulierung des Alltags. Für uns Deutsche steht dazu im Gegensatz die sehr
restriktive Haltung zum Alkoholkonsum. Nur in speziellen staatlichen Geschäften
zu kaufen, Bier nur bis zu einem Prozentsatz Alkohol in Lebensmittelgeschäften,
Alkoholtrinken in der Öffentlichkeit Bußgeldfähig (mit Ausnahmen).
Auch eine recht restriktive Haltung zu Geschwindigkeitsbegrenzungen beim Autofahren,
man schmunzelt hier über die niedrigen deutschen Gebührensätze. Dafür aber in
Bereich des individuellen Lebens, des eigenen Hauses kaum Chancen für den Staat
oder die Kommune (Gemeinde) hinein zu regulieren.
Man hält zusammen, unterstützt einander in Notlagen – nun gibt es ja auch
Wettersituationen, die rasch lebensbedrohlich werden können. Motorschaden bei
-28Grad, 50 km von der nächsten Stadt, da läuft die Zeit... In dieser Gegend,
die immer recht arm war – die Böden geben nicht viel her – kompensiert der
Fischfang nicht alles, legt man Wert auf eine praktische und schöne Ausstattung
im Wohnbereich, dennoch sollen die Dinge einfach und schlicht sein. (Der Traum
vom einfachen Leben?)
Das gilt auch für die Alltagskleidung, bei entsprechenden Anlässen kann es aber
doch recht chic zugehen. Theater, Musik sind natürlich seltener, aber bei
Gelegenheit auf gutem Niveau.
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Polarpsychiater
Franz Walter Kirchner, Psychiater im norwegischen Mo i Rana, analysiert in seinem Blog das norwegische Lebensgefühl in Helgeland, dem Polarkreisgebiet zwischen Nordatlantik-Küste und schwedischem Bergland mitten in Norwegen.
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