Meine bessere Hälfte hat mir befohlen, einkaufen zu gehen. Etwas Leckeres für das Abendessen soll es sein, ein saftiges Stück Rindfleisch, auch ein trockener Rotwein darf es bei meinem BMI auch sein.
Als ich meinen prall gefüllten Einkaufswagen zur Kasse schiebe, entdecke ich vor mir die Silhouette eines mir lange bekannten Patienten. Dem ich schon seit Jahren Askese predige, harnsäurestrotzende Fleischsorten vermiese, den Spass an gesättigten Fettsäuren verleide, Alkoholkarenz einklage.
Was ist, wenn er sich umdreht und freudestrahlend die Inhaltsstoffe meines Einkaufswagens entdeckt? Mir triumphierend den Sahnequark mit 40-prozentigem Fettanteil unter die Nase reibt? Die Flasche Rotwein hämisch kommentiert? Soll ich nicht lieber schnell beidrehen und karges Knäckebrot und Askesekäse in den Einkaufswagen werfen?
Ich könnte ausflüchten, meine Einkäufe seien nur abschreckende Beispiele für eine Selbsthilfegruppe. Der Mensch dreht sich um, es ist in der Tat mein Patient, er meint traurig: Ach Herr Doktor, bei Ihrem Gewicht können Sie sich das ja leisten. Danke. Ich sollte nicht immer alles so kompliziert sehen.
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praxisnah
Mit scharfem Blick und einem Augenzwinkern berichtet Thomas Böhmeke, Kardiologe aus Gladbeck, in seinem Blog von den alltäglichen Begegnungen in der Arztpraxis.
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