Gratwanderung

Philipp Rösler­ – klare Absage an aktive Sterbehilfe

Donnerstag, 28. Januar 2010

Wie sich der neue Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) in medizinethischen Fragen positionieren wird, verriet er jetzt in einem Interview mit der „Bunten“ (2/2010). Darin wird deutlich, dass er beispielsweise aktive Sterbehilfe rigoros ablehnt. „Natürlich sollte man den Menschen das Sterben so erträglich wie möglich machen. Aber aktive Sterbehilfe ist für mich absolut tabu. Weder wäre ich als Arzt dazu bereit, noch würde ich sie für mich persönlich in Anspruch nehmen.“

Er begründet dies mit seiner christlichen Anschauung, denn aufgrund seiner Tätigkeit im evangelischen Friederikenstift in Hannover hatte er sich im Jahr 2000 der katholischen Kirche angeschlossen. „Durch meine Tätigkeit wurde ich viel mit Tod und Sterben konfrontiert. Als ich das Pflegepersonal fragte, wie sie damit zurechtkommen, antworteten sie: ,Herr Rösler, wir sind ein christliches Haus.‘ Das hat mich beeindruckt.“

Indirekt sprach sich der Gesundheitsminister zudem für eine Förderung der Palliativmedizin aus. Für ihn sei es wichtig, „dafür zu sorgen, dass Menschen in Würde, schmerzfrei und möglichst auch in ihrer gewohnten Umgebung ihr Leben beenden können.“ Damit liegt er auch auf der Linie der Bundesärztekammer. Eine gute und flächendeckende Palliativmedizin werde den Ruf nach aktiver Sterbehilfe verhallen lassen, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, Mitte Januar in einem Interview.

Man kann also zuversichtlich sein, dass Regierung und Bundesärztekammer sich für einen Ausbau der Palliativmedizin einsetzen werden und dass auch künftig Bestrebungen, die sich für eine Lockerung des Verbots der aktiven Sterbehilfe einsetzen, nicht mit offizieller Unterstützung von Ärzteschaft und Politik rechnen können.

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Betablogger
am Mittwoch, 24. Februar 2010, 23:48

Warum informiert sich denn niemand?

Sehr geehrter Dr. Bob und überhaupt: liebe Welt,

bitte informieren Sie sich bevor Sie in die Tasten tippen!!!

Auch wenn ich Herrn Röslers Aussagen selten als gehaltvoll empfinde, tut man ihm in diesem Fall Unrecht.

Unter http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Rösler findet man folgende Information:

(...) wo er 1992 an der Lutherschule das Abitur ablegte. Im gleichen Jahr trat er als Sanitätsoffiziersanwärter in die Bundeswehr ein. Für ein Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover wurde er freigestellt. 1999 begann er eine Facharztausbildung am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg. 2002 wurde er im Bereich Herz-Thorax-Gefäßchirurgie zum Dr. med. promoviert. 2003 verließ er die Bundeswehr als Stabsarzt.[2] Eine Weiterbildung zum Augenarzt beendete er nicht, diese Qualifikation wird ihm jedoch irrtümlich zugeschrieben.[2]

In diesem Sinne wünsche ich frohes Nachsitzen!!!
advokatus diaboli
am Donnerstag, 4. Februar 2010, 20:20

Auf den Punkt gebracht...

Also – mal ganz ehrlich: Auch wenn ich ansonsten nicht abgeneigt bin, für „Recht und Gesetz“ einzutreten und ggf. mir ausbedinge, je nach Interessenvertretung eben dieses Recht auch zu interpretieren, so halte ich doch das Medienspektakel um die Frage, wer nun was zu welchem Zeitpunkt mit welchem Akzent „verkündet“ hat, für ein wenig mimosenhaft.

O. Tolmein hat völlig zu Recht in seinem neuen BLOG-Eintrag darauf hingewiesen, dass die Antwort per Email des Minsteriums – mit meinen Worten ausgedrückt – wenig gehaltvoll ist.

Wir haben nun alle vernehmen können, dass unserer Gesundheitsminister aktive und passive Sterbehilfe schon aus ethisch-christlichen Gründen ablehnt und im Übrigen kein Unterstützer des assistierten Suizids ist, worauf er besonders großen Wert legt.

Immerhin gebietet ihm die liberale Seele gleichwohl, sich gegen ein Verbot der ärztlichen Assistenz zu wenden. Nun – vielleicht handelt es sich hier um einen „Übermittlungsfehler“, denn das macht nun wahrlich keinen Sinn und insofern dürfen wir gespannt sein, ob Herr Tolmein demnächst vom Ministerium gebeten wird, diesen Lapsus zu entschuldigen und ggf. in seinem BLOG richtig zu stellen.

In der Sache selbst darf allerdings darauf hingewiesen werden, dass gerade das christliche Ethos – freilich gepaart mit dem nicht minder bedeutungsvollen und ggf. zu einer Ersatzreligion mutierten Arztethos – es auch einem Liberalen in seiner Eigenschaft als Christ verbieten dürfte, auch nur im Ansatz über die „Selbstentleibung“ und der ggf. dazu erforderlichen Hilfestellung nachzudenken – es sei denn, er ist bereit, den Lohn der Sünde zu empfangen! Keine guten Aussichten – weder für einen Abgeordneten, der auf ein „C“ in seinem Parteiennamen blicken kann noch für einen Liberalen, der sich dem christlichen Ethos verpflichtet weiß. Zu fragen bliebe in diesem Zusammenhang allerdings, auf welche Konfession sich das Bekenntnis zum christlichen Ethos gründet. Ein Blick in das Evangelium vitae aber auch in den Katechismus der Katholischen Kirche erleichtert jedenfalls demjenigen die „Rechtsfindung“, der gläubiger Katholik ist. Anlass zu dieser letzten Bemerkung besteht deshalb, weil wir im BLOG „Gratwanderung“ v. G. Klinkhammer im Deutschen Ärzteblatt unter der Überschrift „Philipp Rösler – klare Absage an aktive Sterbehilfe“ folgenden Satz vernehmen können,
ZITAT: >Er begründet dies mit seiner christlichen Anschauung, denn aufgrund seiner Tätigkeit im evangelischen Friederikenstift in Hannover hatte er sich im Jahr 2000 der katholischen Kirche angeschlossen. „Durch meine Tätigkeit wurde ich viel mit Tod und Sterben konfrontiert. Als ich das Pflegepersonal fragte, wie sie damit zurechtkommen, antworteten sie: ,Herr Rösler, wir sind ein christliches Haus.‘ Das hat mich beeindruckt.“<

Aber letztlich brauchen wir wohl diese Frage in einem säkularen Verfassungsstaat nicht vertiefen und wie anderenorts bereits darauf hingewiesen, ist auch keine andere Betrachtung in Ansehnung an Art. 38 GG anbefohlen, wonach der Abgeordnete nur seinem Gewissen gegenüber verantwortlich ist.

Was also ist gefordert?

Wir sollten uns auf die Sache konzentrieren und hier ggf. „streiten“. Es gibt halt gute Gründe für die Liberalisierung des ärztlichen Suizids, die nicht durch irgendwelche Botschaften „hinweggefegt werden können“, so einst wie es wohl Jesus vorbehalten war, die „Schriftgelehrten und Pharisäer aus dem Tempel“ zu jagen.
Dr.Bob
am Donnerstag, 4. Februar 2010, 11:54

„Durch meine Tätigkeit wurde ich viel mit Tod und Sterben konfrontiert."

Mir war bisher nicht bekannt, daß man als Assistent in der Augenklinik viel mit Siechtum und Tod zu tun hat..
Ist in unserem Klinikum deutlich seltener der Fall.

Und wieder ein neuer Schwätzer.

Gratwanderung

Gratwanderung

Von embryonaler Stammzellforschung bis Sterbehilfe – mit ethischen Themen vom Beginn bis zum Ende des Lebens werden Ärzte immer wieder konfrontiert. Gisela Klinkhammer, beim Deutschen Ärzteblatt zuständige Redakteurin für Medizinethik, setzt sich mit aktuellen Entwicklungen auseinander.

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