praxisnah
Zweiklassenmedizin (I)
Montag, 19. April 2010
Ich bin im Gespräch mit einer Patientin, die unter Vorhofrhythmusstörungen leidet und heute morgen ein längeres Gespräch mit dem Leiter der elektrophysiologischen Abteilung einer kardiologischen Klinik zur Frage ablativer Verfahren hatte.
"Und zum Schluss", so empört sie sich, "hat er mich doch glatt gefragt, ob ich privat versichert wäre, das ist doch ungeheuerlich!" Ich entgegne ihr, dass auch Kliniken Wirtschaftsbetriebe sind und sich finanzieren müssen. Die Behandlung von Privatpatienten stellt eine wichtige Einnahmequelle dar, die es ermöglicht, moderne Geräte anzuschaffen, neue Techniken vor zuhalten, und aktuelle Verfahren zu etablieren. Freundlichere Räume zu schaffen, genügend Pflegekräfte einzustellen und auszubilden.
Auch ich kann meine Geräte, die so teuer sind wie ein Automobil der Oberklasse, nur über diese Querfinanzierung realisieren, die den gesetzlich Versicherten dann zugute kommt. "Aber so etwas darf er doch nicht fragen, das ist doch übelste Zweiklassenmedizin!" Warum nicht? So lange sie in der ersten Klasse mitgenommen wird, kann ihr das doch egal sein.
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