Gratwanderung

Präimplantationsdiagnostik – Dammbruch möglich

Montag, 11. Oktober 2010

Die Union will von einem Verbot der umstrittenen Präimplantationsdiagnostik (PID) Abstand nehmen, weil sie dafür keine Mehrheit innerhalb der schwarz-gelben Koalition sieht. Doch der FDP reicht das nicht: Sie dringt sogar auf ein völlig neues „Reproduktionsmedizingesetz“, in dem der Schutz von ungeborenem Leben hinter anderen Anliegen zurückstehen würde.

In einem „Positionspapier Reproduktionsmedizin“ fordert eine Gruppe von FDP-Abgeordneten um die gesundheitspolitische Sprecherin Ulrike Flach die generelle Zulassung der PID „im Falle von genetischen Krankheitsdispositionen“, berichtet „Welt Online. Wenn es dafür keine Mehrheit gebe, solle das Embryonenschutzgesetz geändert werden.

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Kritiker dieser Methode, die einen Dammbruch befürchten, haben mit ihren Befürchtungen also offensichtlich Recht behalten. Denn die Union hat ihre strikte Ablehnung der PID damit aufgegeben und will nur noch auf eine strenge Reglementierung hinarbeiten.

Dabei hatte die CDU im nicht einmal drei Jahre alten Grundsatzprogramm noch unmissverständlich festgestellt: „Wir treten für ein Verbot der PID ein.“ Und während einige Unionspolitiker bereits an der Relativierung dieser Festlegung arbeiten, wollen andere wie der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, an dem Verbot weiter festhalten. Und das wohl zu Recht. Denn dass es sich bei PID eindeutig um eine Form der Selektion handelt, kann nicht bestritten werden. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Koalition eine weitere Zerreißprobe droht.

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JustineR
am Freitag, 22. Oktober 2010, 23:22

Es geht hier um Menschen, nicht um christliche Ideologie!

Warum schafft es der Autor dieses Artikels nicht, seinen Namen darunter setzen zu lassen? Weil er sich für so einen Artikel schämen müsste?

Hören Sie doch auf, diesen Ideologiebrei zu kochen! Es geht hier um Menschen und um die Verhinderung von großem Leid. Es geht nicht darum, eine angebliche Gottesebenbildlichkeit des Menschen weiter zu manifestieren. - Es geht darum, dass Mütter, die schon mehrere Kinder tot geboren haben oder kurz nach der Geburt verloren haben, endlich mal auf eine Lebendgeburt und ein am Leben bleibendes Kind hoffen dürfen. Es geht auch darum, dass Eltern mit einer schweren Erbkrankheit, die sie schon aus ihrer Familie kennen und keinesfalls bei ihrem Kind sehen wollen, die Möglichkeit bekommen sollten, ein Kind ohne diese Erbkrankheit auf die Welt zu bringen.

Es sollte von den zukünftigen Eltern entschieden werden, ob sie die Kraft haben, ein (schwer) behindertes Kind aufzuziehen oder nicht. Solche verantwortungsvollen Entscheidungen zeugen auch von Respekt vor einer Behinderung.

"Eine Form der Selektion" - Das ist ein inzwischen abgedroschenes Scheinargument. Eine Form der Selektion ist es auch, wenn Politiker darüber bestimmen, welchem Paar eine Fortpflanzungsmöglichkeit gegeben wird und welchem nicht. Das wird bereits durch die reduzierte Kostenerstattung bei assistierten Befruchtungen getan, das müssen wir hier nicht mit einem PID Verbot fortsetzen.

Anmerkung der Redaktion: Die Autorin wird in der rechten Spalte vorgestellt.
Julisonne74
am Freitag, 22. Oktober 2010, 20:14

Artikel von der katholischen Kirche gesponsert?

So ein schlecht informierter, tendenziöser Artikel zur PID in einer medizinischen Fachzeitschrift tut geradezu weh.
Nein, Designerbabys kann man mit der PID nicht erzeugen, man kann nur das überprüfen was die Natur durch das Verschmelzen einer Ei- und Samenzelle designt hat. Und das tut man im Moment auch, nur testet man eben ein bereits wesentlich weiter entwickeltes Kind und keinen Zellklumpen in der Petrischale, der ohnehin nur eine Implantationschance von 25% hat. Tests auf blaue Augen, blonde Haare, Intelligenz und sonstige Designermerkmale sind dabei soweit ich informiert bin per PID gar nicht möglich. Und "behindertenfrei" wird die Welt dadurch tatsächlich auch nicht, wie denn auch. Schließlich entstehen nicht alle Behinderungen pränatal.
Ich finde es menschenverachtend einer Frau lange Wochen einer Schwangerschaft zuzumuten, wenn ohnehin klar ist, daß sie ein behindertes Kind dann abtreiben würde. Oder noch schlimmer, wenn dann nach vielen Wochen festgestellt wird, daß das Kind gar nicht überlebensfähig sein wird. Für wen soll denn ein Spätabort besser sein? Für das Kind?
Das der Autor offensichtlich nicht ganz verstanden hat, daß der Vorteil des single-embryo-transfer die deutliche Reduktion der Mehrlingsrate (mit den entsprechenden Risiken für Mutter und Kinder) ist rundet das Bild dabei nur ab.
Ich fände ein Ethikkonsil vor einer PID und ggf. noch eine Zwangsberatung des Paares wie vor einem SS-Abbruch eine saubere Lösung, die sicherlich weitere Dammbrüche zu verhindern weiß.
taktgenau
am Dienstag, 12. Oktober 2010, 11:16

Honi soit qui mal y pense

Die Klärung dieser Frage birgt immerhin Zukunftrisiken. Nicht nur für Job & Einfluss des Behindertenbeauftragten. Es würde mich z.B. auch nicht wundern, wenn die Pharmaindustrie ihre Finger bei der Entscheidungsfindung mit im Spiel hat.
Salute
Un Honi
Angela-2
am Montag, 11. Oktober 2010, 21:17

Bigotte Einstellung

Aktuell ist die Lage so, dass die betroffenen Eltern die Diagnostik zum späteren Zeitpunkt der Schwangerschaft durchführen (per Fruchtwasserpunktion o.ä.) und dann einen Abbruch der Schwangerschaft an einem viel weiter entwickelten Kind durchführen. Der Fetus leidet mehr, die Eltern leiden mehr, was soll daran ein Vorteil sein??

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Von embryonaler Stammzellforschung bis Sterbehilfe – mit ethischen Themen vom Beginn bis zum Ende des Lebens werden Ärzte immer wieder konfrontiert. Gisela Klinkhammer, beim Deutschen Ärzteblatt zuständige Redakteurin für Medizinethik, setzt sich mit aktuellen Entwicklungen auseinander.

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