Polarpsychiater

Dunkle Jahreszeit

Dienstag, 30. November 2010

Vor drei Wochen wurde es über Nacht weiß, 30 cm waren gefallen. Seitdem sind die Temperaturen niedrig, bald sollen sie auf -23 Grad fallen. Hier, in dem schmalen Streifen zwischen Gebirge und Nordatlantik, ist das Wetter jedoch sehr unstabil. Im Wechsel See- und Innlandsklima, es kann binnen zweier Tage nach einer Woche -20 Grad regnen! Man kann sich ohne Probleme ausmalen, was das bedeutet.

Also, Langlauf möglich, gleichzeitig werden jetzt gerade die Tage rasch kürzer,deshalb am besten über die Mittagszeit am Wochenende. Das Leben geht sonst unverändert weiter, die hiesige Infrastruktur ist auf solches Wetter eingestellt, seit Anfang Oktober darf man mit Spike-Reifen fahren, unwissender Besuch aus Deutschland erschreckt sich wegen der nahezu unveränderten Geschwindigkeit. Zum Glück gibt es keinen Wind!

Aufpassen, bei diesen Temperaturen nähern sich die Tiere den menschlichen Besiedlungen, im Verkehr sind natürlich Elche und Rentiere eine Gefahr. Lange habe ich es nicht geglaubt, aber es stimmt, man sieht die Elche erst im allerletzten Moment, sie springen unvermittelt aus dem Dunkel auf die Straße, keine Reflexe oder andere Zeichen vorher auszumachen. 

Diese Periode von Anfang November bis ca Mitte Dezember wird von vielen als die schwierigste erlebt. Es wird dunkler und dunkler, bis man schießlich trotz der komfortablen Arbeitszeiten im Dunklen aus dem Haus geht und im Dunklen wiederkommt.

Ein wenig mentalen Ausgleich bringt die Stimmung der Weihnachtszeit, auch ein wenig Licht an die Häuser. Auch hier nimmt die Zahl und Intensität der Beleuchtungen zu, manchmal mit etwas skurrilen Ergebnissen. Natürlich auch die kulturelle Einstimmung auf Weihnachten, Märkte, Feiern, Schulevents. 

Wer kann, versucht trotzdem der Phase von Mitte November bis Mitte Dezember zu entfliehen, irgendeinen Sonnenurlaub, manche reisen sogar über Monate weg. Doch sind die beleuchteten Loipen eine Alternative, die Sport- und Trainingsstätten sind gut ausgebaut, die Bibliothek der 25.000 Einwohner Gemeinde entspricht in alter skandinavischer Tradition locker der einer deutschen 300.000 Einwohner Stadtbibliothek, man ist organisiert in Chören, Komiteen, diversen Hilfseinrichtungen.

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Franz Walter Kirchner, Psychiater im norwegischen Mo i Rana, analysiert in seinem Blog das norwegische Lebensgefühl in Helgeland, dem Polarkreisgebiet zwischen Nordatlantik-Küste und schwedischem Bergland mitten in Norwegen.

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