Der Wechsel der Barmer/GEK- Chefin Birgit Fischer zur Pharmalobby gehört zur politischen Unkultur. Seitenwechsel ist gang und gäbe. Die Kritik aus CDU, FDP oder SPD (der Fischer angehört) wirkt deshalb scheinheilig. Sie alle haben ihre prominenten Wechsler. Von Gerhard Schröder(SPD), der Putins Gaspipeline promotet, bis Roland Koch (CDU), der zu einem Baukonzern wechselte, oder dem wendigen Regierungsberater Bert Rürup, der sich bei einem schillernden Anlageberater verdingte. Und gab es da nicht auch Wechsler aus der Lobby in Röslers (FDP) Gesundheitsministerium? Klar, sie alle, die einen politisch gut vernetzten Menschen anheuern, spekulieren auf dessen intimen Kenntnisse und Kontakte. Manchmal geht die Rechnung auf, oft auch nicht. Letzteres könnte auch mit Fischer passieren, wenn sich herausstellt, dass die Partner ideologisch nicht zusammenpassen. Denn trotz allen Geredes, dass Politik auch nur ein Job sei, egal wo man den ausübe, lassen sich eingeübte Grundüberzeugungen, viel Geld hin oder her, nicht so schnell über Bord werfen. Auch bedeutet Politik machen was anderes, als hinter Politikern herzulaufen.
Frau Fischer, die in NRW mal Ministerin gewesen ist, könnte bei der Barmer/GEK die „große Politik” vermisst haben. Nach ihrem Amtsantritt bei der Ersatzkasse am 1. 1. 2010 hatte sie versucht, aus ihrer neuen Position Gesundheitsminister Philipp Rösler Parolizu bieten. Ein Schlag ins Wasser. Beim Verband forschender Arzneimittelhersteller kann sie immerhin wieder in der Berliner Politik mitmischen, wenn auch abgestempelt als Interessenvertreterin -und Seitenwechselerin.
Fischer-Vorgänger bei der Barmer war übrigens Dr. med. Eckart Fiedler, der zuvor als Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erfolgreich gewirkt hatte. Auch Fiedler nutzte sein Wissen und die Barmer war trotz der schönen Worte über "gemeinsame Selbstverwaltung" immerhin auch Gegenseite. Gelegentlich aber vermochte er auch zwischen den Interessen des neuen und des alten Arbeitgebers zu vermitteln und so beiden zu dienen.
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"Und gab es da nicht auch Wechsler aus der Lobby in Röslers (FDP) Gesundheitsministerium?"
Schade, dass Sie das nicht genauer fassen: Um die PKV zu privilegieren hat BGM Dr. med. Philipp Rösler mit Christian Weber den ehemaligen Vizedirektor und "Chefideologen" des Verbandes der privaten Krankenversicherer als Abteilungsleiters für Grundsatzfragen ins Bundesgesundheitsministerium geholt.
Allerdings hat ihm das bei der (vergeblichen) Einführung einer offenkundig verfassungswidrigen "Kopfpauschale" in der GKV nicht geholfen. Es blieb bei der einseitigen variablen "Zusatzprämie" für alle GKV-Versicherten mit unzureichendem Sozialausgleich.
MfG Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Lesefrüchtchen
Aus berufs- und standespolitischem Blickwinkel kommentiert der Journalist Norbert Jachertz, Köln/Berlin, “Vermischtes” – von harter Politik bis zu beiläufigen Ereignissen.
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