Gesundheit

Ethische Bedenken gegen Mischwesen aus Mensch und Tier

Freitag, 22. Juli 2011

Vor fünf Jahren haben britische Forscher Versuchstiere mit einem menschlichen Chromosom versehen, um die Pathogenese des Morbus Down zu studieren. Inzwischen gibt es Mäuse mit menschlichem Leber- oder Pankreasgewebe oder Ziegen mit menschlichen Blutzellen. Die technischen Möglichkeiten der Gentechnik sind hier kaum begrenzt.

Und da es sich um Versuche an Tieren handelt, greift das strenge deutsche Embryonenschutzgesetz nicht. Dieses verbietet nämlich nur die Bildung von menschlichen Chimären, also das Einbringen von fremder Erbinformation in eine menschliche Eizelle, nicht aber den umgekehrten Fall. Bei den genannten Versuchen wurde nämlich menschliche Erbinformation in Eizellen anderer Spezies eingebracht. Das ist legal, soweit es nicht gegen die Regeln des Tierschutzes verstößt.

Die Tierschutzgesetze wurden aber aus einem anderen Grund geschaffen. Es gibt hier eine ethische und gesetzliche Lücke, die geschlossen werden muss. Eine Gruppe der British Academy of Medical Sciences hat jetzt einen Vorschlag gemacht, was verboten werden sollte.

Viele Bürger dürften durch den Entwurf das erste Mal erfahren, was tatsächlich möglich wäre. So könnten die Keimzellen von Tieren mit menschlichen Genen versehen werden. Dies würde nicht nur für eine Generation, sondern auf Dauer „Zwischenwesen“ schaffen. Dies sollte nach Ansicht der Gruppe um Robin Lovell-Badge vom Medical Research Council in London verboten werden.

Die ethischen Grenzen würden nach Ansicht der Autoren auch überschritten, wenn Affen mit menschlichen Hirnzellen gezüchtet würden, die bei den Tieren menschliche Verhaltensweisen erzeugen. Auch das Einbringen von menschlichen Stammzellen in tierische Eizellen sollte „off-limits“ sein. Über diese Fragen besteht Konsens.

Es gibt allerdings auch Bereiche, die kontrovers sind. Was ist von Tierversuchen zu halten, bei denen menschliche Gene in Mäuse eingebracht werden, die einzelne Funktionen des Gehirns steuern, beispielsweise die Entwicklung eines Morbus Parkinson. Lovell-Badge und Mitarbeiter würden dies gerne von Fall zu Fall entscheiden.

Es ist abzusehen, dass ethische Fundamentalisten ein generelles Verbot fordern werden. Dies würde aber, wenn man eine kategorische Ablehnung zu Ende denkt, weite Teile der biomedizinischen Forschung infrage stellen. Denn Experimente mit transgenen Tieren gehören heute zum Standard.

Die Vorschläge der britischen Academy of Medical Sciences dürften gerade in Deutschland, wo „bioethische Empfindlichkeiten akut sind“ (Nature) für reichlich Diskussionsmaterial sorgen. Die Briten scheinen die Frage liberaler zu sehen. In einer von Nature veröffentlichten Umfrage hatten 45 Prozent keine Einwände gegen das Einbringen von menschlichen Hirnzellen in Versuchstiere.

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promisit
am Montag, 25. Juli 2011, 09:08

Alles, was der Mensch....

Alles was der Mensch jemals erdacht hat, hat er erreicht. Flug ins All, tauchen in tiefe Meere, AKW, A-Bombe, Plastik, Nano, Mikromotor und.und.und. Alles wurde angeblich für friedvolle und humanitäre Zwecke, erdacht, erforscht und hergestellt. Die Geschichte lehrt uns, wie es wirklich verlaufen ist. Diese Entwicklung ist fatal und wird auch diesmal die ethischen, moralischen und humanistischen Grenzen überschreiten und dann wirklich unrücknehmbar sein.
Mira59
am Freitag, 22. Juli 2011, 23:47

Warum nur....

erinnert mich dieser Beitrag an die beiden "Alien-Babys" in Mexiko ????

Vielleicht waren es aber wirklich nur Aliens und wie die Geschichte zeigte, sollten wir nett zu ihnen sein :-)

ein wunderschönes Wochenende von Mira

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