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Vom Arztdasein in Amerika

Kampf gegen Adipositas: Operation, Medikamente oder Sport?

Freitag, 5. August 2011

Die Post wurde aufgemacht und schon wieder ein Geschenkgutschein: $200 dafür, dass ich jeden Monat, drei Monate lang, mindestens zwölf Tage pro Monat ins Fitnessstudio gegangen war: Hanteln gestemmt, Laufbandübungen und derlei Ähnliches – plötzlich Extrageld und –gutscheine.

Der Grund ist offensichtlich; meine Krankenversicherung will, dass mein Körpermassenindex (KMI) im Normalbereich bleibt und, derzeit bei 26 liegend, wieder zu 25 oder 24 zurückkehrt. Adipositas, die aktuell epidemische Volkskrankheit, ist natürlich eine US-amerikanische, aber auch eine westliche.

Doch stets dieselben Erfahrungen und Fragen: Wieso sind all meine Arztkollegen normgewichtig, knapp 45% meiner Patienten hingegen übergewichtig? Wieso unterziehen sich jedes Jahr Tausende von Menschen einer massiv eingreifenden und sie verändernden Magenverkleinerungsoperation und schaffen es nicht, die richtige Balance zwischen Ernährung und sportlicher Betätigung zu finden?

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Liebe Leserinnen und Leser, erinnert sich noch der eine oder andere von Ihnen an Sibutramin, jenem Gewichtsmedikament, das maximal 5% Gewichtsverlust bedingte und trotzdem viel nachgefragt wurde? Obwohl die kardiovaskuläre Erkrankungsquote deutlich höher liegt bei Einnahme des Mittels, fragen mich bis heute immer wieder Patienten nach diesem Mittel und einem Rezept danach. So auch wieder gerade.

Wenn ich es dann nicht verschreibe (habe ich noch nie gemacht), dann sehe ich manchmal den Patienten nie wieder in meiner Praxis (die ich einmal die Woche habe – Teil der hiesigen Ausbildung), sondern wahrscheinlich ist er bei jemandem gelandet, der seinen Wunsch erfüllt. Wieso tun wir Menschen uns so schwer, unseren eigenen inneren Schweinehund zu überwinden?

In USA Adipositas per magna ueberall: Das Wundermittel des 21. Jahrhunderts wird wohl nicht ein neues Statin, ein neues Krebsmedikament oder Virostatikum sein, sondern ein Antiadipositummittel. Bis dahin profitiere ich davon: Umso schöner, dass ich nicht nur animiert werde, mein leicht angewachsenes Bauchfettchen zu reduzieren und einen KMI unter 25 anzustreben, sondern mein Bankkonto, bzw. Einkaufswagen um $200 bereichern kann...

Ihr Petrulus

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wolf.f
am Donnerstag, 10. November 2011, 14:42

besser als Pillen oder Bewegung ist Veränderung der Ernährung

Um ca. 300Kcal zu verbrennen muss ich 1-2 Stunden Krafttraining machen oder 1 Stunde joggen. Diese 300Kcal kann ich auch einsparen, wenn ich das Stück Käsesahnetorte weglasse.
Veränderungen der Ernährung bringen bessere Ergebnisse als Medikamnete oder Sport.
Zum Glück gibt es mittlerweile sehr gute Ernährungskonzepte, die einfach in jeder Arztpraxis umzusetzen sind.
Patroklos
am Donnerstag, 11. August 2011, 12:34

Präventionskurse.

Die teilweise Erstattung von Kosten für Präventionskurse kann man z.B. bei einigen GKV doch auch beantragen. Sinn macht das schon; ist es doch im Interesse aller Versicherten.
petrulus
am Mittwoch, 10. August 2011, 04:47

Antrieb

Viele moderne Menschen sind Wohlstandsmenschen - ein grosser Antrieb ist Geld. Nicht jeder hat hehre Ziele.
Die Krankenkassen wollen sich natuerlich als Gesundheitskassen verstanden fuehlen und wollen lieber ein gesundes Mitglied, das lange zahlt, als ein krankes, das sie lange bezahlen muessen. Wenn einer darauf "hineinfaellt", also gesuender wird und dafuer sogar Geld bekommt, da gewinnt doch jede Seite, oder?
Wenn man es sogar anders interpretiert: Es sind die Ersparnisse der Zukunft, die man eben fruehzeitig ausbezahlt bekommt...
polmu
am Freitag, 5. August 2011, 22:39

Für 200$

kann mann erheblich mehr Kalorien kaufen und fressen las durch das bisschen "sportliche Bestätigung". Also mitmachen!!!

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Petrulus über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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