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Vom Arztdasein in Amerika

Wie viel bin ich als Arzt wert?

Freitag, 23. September 2011

Kürzlich war ich es leid: Im Kickboxtraining – ich bin darin nicht gut und habe es erst für kurze Zeit ausgeübt – machte ich die Trittkombinationen einfach falsch. Den Fuß drehte ich nicht genug beim Rückwärtstritt, die Beinstellung war verkorkst und meine gesamte Deckung war lächerlich, so meine eigene und wohl realistische Einschätzung.

Also beschloss ich, den Leiter des Kickboxvereins um Einzelunterricht zu bitten. Er sagte mir zu und nannte mir seinen Stundenlohn: 75 US-Dollar pro Stunde, recht ansehnlich. Nun ja, er war immerhin, so sagen es zumindest die überall in der Boxhalle hängenden Plakate, mehrfacher Weltmeister und kämpfte auch famos. Der Preis schien also realistisch.

Ich sagte zu und hatte meine erst Einzelstunde vor kurzem mit ihm:  Fuß-, Halte, Box- und Trittübungen, was alles dazu gehörte. Gut war ich danach immer noch nicht, aber etwas besser geworden. Wir beschlossen, dass ich in drei bis vier Wochen die nächste Einzelstunde machen würde, damit ich mich  außerhalb der Gruppenkurse weiter verbessern könne.

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Zwei Nächte später absolvierte ich dann einen Extradienst im Krankenhaus: Aufnahme um Aufnahme, lauter medizinische Fragen  und diverse Notfälle. Die zwei Piepser und die zwei Telefone, die ich trug, hörten nicht auf zu piepsen und zu klingeln.

Nach zwei  Wochen erhielt ich dann die Lohnauszahlung für diesen fünfzehnstündigen Dienst und rechnete nach: Mein Stundenlohn lag höher als derjenige des Kickboxtrainers.

Was sagt das aus, in einer auf Geld fixierten Nation wie den USA? Sehr  einfach: Dass meine Arbeit in ihr zumindest so viel wert ist wie die des Kickboxtrainers. Dass das US-System den Kickboxtrainer dafür honoriert, so gut in seinem Fach und so hart gearbeitet zu haben ist doch verständlich und gerecht. Wieso sollte es nicht berechtigt sein, den Arzt für all seine harte Arbeit ebenfalls angemessen zu entlohnen? 

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petrulus
am Montag, 26. September 2011, 23:09

Unverschaemte Politik

Lieber Thelber,
Es ist aergerlich, dasz die bundesdeutsche Politik den Arzt so wenig respektiert. Die Verguetung ist nur eines dieser Punkte.
Ich leide mit Ihnen und habe das selber hautnah als Assistent miterlebt.
Was ist klueger: Weglaufen, d.h. ins Ausland laufen und damit den Politikern die lange Nase zeigen oder zaeh, wie Sie, in der BRD weiterarbeiten und hoffen, dasz es besser wird?
Ich weisz es nicht.
petrulus
am Montag, 26. September 2011, 23:05

Harter USA-Junge musz man sein fuer die Wumme

Lieber Herr Skrziepietz,
Das mit der "Wumme" ist gar nicht so leicht; es gibt externe und interne Huerden, die ueberwunden werden muessen. Ich habe mittlerweile die Lizenz erhalten, um so eine Handfeuerwaffe zu kaufen, aber merke dann doch, dasz ich voller zentraleuropaeischen Skrupel stecke, um so eine Feuerwaffe zu erwerben und in die Hand regelmaeszig zu nehmen: Selbst so eine kleine Glock 9mm floeszt mir Respekt ein.
Wir Zentraleuropaer sind eben doch mehr Voltaires und Kants, die mit Worten, heutzutage oft politisch korrekt noch dazu formuliert, kaempfen statt mit Faeusten.
Hier in USA haben anscheinend nur noch die Republikanerjungs den Mut, Waffen mit sich herumzutragen - sind das die richtigen Kerls? Oder wir?
Aber Danke fuer die Anregung!
Thelber
am Sonntag, 25. September 2011, 12:30

Tja, diese Bewußtsein des "Wertes eines Medzinstudiums" ....

... ist bei uns sowohl wie in der Bevölkerung (unseren Patienten) schon vorhanden, nur die Kassenrealität - die sieht leider anders aaus.

Meine GKV-Patineten jedenfalls reiben sich regelmäßig ersaunt die Augen, wenn ich ihnen erläutere, wie wenig ich (Allgmeeinarzt) für ihre Quartalsbetreuung erhalte ...
Andreas Skrziepietz
am Samstag, 24. September 2011, 13:43

Wieso sollte es nicht berechtigt sein, den Arzt für all seine harte Arbeit ebenfalls angemessen zu entlohnen?

Das solltest du den Engländer fragen ("große Chance für junge Mediziner").

Statt training würde ich mir zur selbstverteidigung aber einfach eine wumme kaufen. ist billiger und gibt's in den usa ja quasi im supermarkt.

Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Petrulus über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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