Vom Arztdasein in Amerika
Die $4-Dollarliste
Freitag, 3. Februar 2012
Teil der hiesigen Ausbildung ist die
Vermittlung von ressourcenschonendem Umgang in der Medizin. Das bedeutet nicht nur, dass man die
Indikationsstellung eines Testes gut begründen muss ehe man ihn anordnet,
sondern auch die Berücksichtigung der Kosten für Diagnostik, Therapie einschließlich
der Medikamenten.
So gibt es eine
$4-Dollarliste, die uns Assistenzärzten am Anfang unserer Ausbildung ausgehändigt
wird: http://i.walmartimages.com/i/if/hmp/fusion/customer_list.pdf. Mit Blick auf diese Liste seien am Rande zwei
Dinge bemerkt, die typisch für die USA sind: Erstens, dass Walmart der Maßstab
für die hiesige Billigeinkaufskultur ist. Zweitens, dass in den USA viele
Supermärkte eine Apotheke haben.
Diese Vier-Dollarliste
hilft uns Ärzten ungemein, denn hiermit können wir zügig die günstigsten
Medikamente heraussuchen; nicht umsonst hängen mehrere solcher Listen in
unserer Praxis. Mit Blick auf diese Liste wird verständlich, wieso Medikamente
wie Lisinopril, Simvastatin, HCTZ oder Amoxicillin sehr beliebt in unserer
Praxis sind: Sie sind günstig und effektiv.
Wir Assistenten haben
diese Listen derart internalisiert, dass die meisten
Medikamentenlisten unserer Praxispatienten sich weitestgehend ähneln. Unsere
Oberärzte, wenn sie teure Medikamente mit Billigalternative bei unseren Patienten
sehen, verweisen in solchen Fällen oft auf die $4-Dollarliste und bitten uns um
kostengünstiges Umstellen der Medikation oder guter Begründung und
Dokumentation wieso nicht geschehen.
Trotzdem: Das US-System bleibt
sehr teuer. Das hat viele Gründe. Wenigstens haben wir Assistenten die Genugtuung,
einen kleinen Teil dagegen gemacht zu haben.
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