Vom Arztdasein in Amerika
Medicaid: Die Krankenversicherung für viele Arme
Mittwoch, 8. Februar 2012
Es herrscht in vielen Ländern
die Meinung vor, dass wer arm in den USA sei, automatisch keine Krankenversicherung
habe. Dieses Vorurteil ist undifferenziert und daher
falsch.
Wer sich mit dem
US-System näher beschäftigt, der stellt fest, dass es mit „Medicaid“ ein staatliches
Krankenversicherungssystem seit 1965 gibt, das behinderten Menschen, Schwangeren
und Menschen mit Kindern eine gute Krankenversicherung bietet (www.medicaid.gov). Man darf nur nicht zu viel verdienen, sonst ist man nicht
Medicaid-berechtigt. Um
Zahlenbeispiele zu nennen: Eine vierköpfige Familie ist unterhalb eines
Jahreseinkommens von $44.100 Medicaid-berechtigt. Mit Medicaid werden Medikamentenkosten,
Arzt- und Krankenhausbesuche abgedeckt, je nach Einkommen mit oder ohne
Zuzahlungen.
Die Hauptgruppen, die von Medicaid ausgenommen
sind, sind Besserverdienende, illegale Einwanderer und kinderlose Erwachsene im
Alter von 19 bis 65 Jahren, selbst wenn sie arm sind.
Diverse US-Bundesstaaten
wie z.B. Kalifornien oder Minnesota haben jedoch seit Jahren großzügige Sonderregeln
und Extraprogramme wie beispielsweise „Minnesota Medical Assistance“ und „MinnesotaCare“,
damit einkommensschwache Erwachsene ebenfalls versichert sind.
USA kennt den
Leistungsgedanken: Man geht davon aus, dass Erwachsene ihren Lebensunterhalt
selbst bestreiten und damit auch ihre Krankenversicherung bezahlen können. Offen
sagen manche: “Wer das Recht in Anspruch nimmt, faul zu sein, der darf auch hungern.“
Höflicher ausgedrückt: Man geht davon aus, dass Menschen ihres eigenen Glückes
Schmied sind.
US-Präsident Obama hat
das System mit seiner Gesundheitsreform „bezahlbares Krankenversicherungsgesetz“
(www.healthcare.gov) derart verändert, dass ab 2014 auch Erwachsene
unter einer bestimmten Einkommensgrenze Medicaid erhalten können. Es herrschen
bald europäische Verhältnisse, wie Republikaner spotten, und fragen sich woher
das Geld kommen soll.
Die meisten Ärzte glauben
nicht, dass dieser Teil des Obama-Gesetzes zurückgenommen wird, egal wer die Präsidentenwahl
Ende dieses Jahres gewinnen wird. Dann ist ab 2014 die überwältigende Mehrzahl
der armen US-Amerikaner krankenversichert. Dann wird niemand mehr sagen können,
dass arme Menschen in den USA nicht versichert sind.
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