Wenn man liest, was für eine Superidee die Gründer von arzttermine.de hatten, fragt man sich, warum man nicht selbst drauf gekommen ist. Zumal andere die Idee auch schon hatten. Die Leute von doxter.de und die von hallodr.de zum Beispiel. Und wie so viele gute Ideen, so kommt auch diese aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort gibt es nämlich zocdoc.com.
Worum es geht, ist schnell erklärt: Ärzte melden – im Idealfall automatisiert über eine Schnittstelle in ihrem Praxisverwaltungssystem – ihre freien Termine an den Anbieter, also z.B. an arzttermin24.de. Der stellt dann die Termine aller Ärzte im Internet dar und Patienten können diese online buchen. Und die Buchung wird dann wieder zurück in das Praxisverwaltungssystem des Arztes gemeldet.
Ein Traum für die Arzthelferinnen und ihre Chefs: Keine endlosen Termintelefonate mehr – Zeit für wichtigere Dinge! Ein Traum auch für Patienten: Online einen Arzttermin vereinbaren und nicht lange am Telefon hängen. Warum also kommt das Ganze nicht ans Laufen? Denn zumindest hat man bei keiner der Plattformen den Eindruck, als ob da wirklich schon was los wäre.
Wahrscheinlich weil der Traum der Startup-Gründer der Terminportale gleichzeitig der Albtraum der Praxisinhaber ist: Alle Termine – die freien wie auch die gebuchten – liegen nämlich dann auf den Servern der Plattformanbieter. Dazu Patientennamen und auch noch (Verdachts-) Diagnosen. Die sollen nämlich als „Besuchsgrund“ bei Terminanmeldung vom Patienten gleich mit angegeben werden. Bei den Schmerztherapeuten findet sich da u.a. die „Fibromyalgie“, bei den Gynäkologen können „Sexuelle Störungen“ übermittelt werden. Willkommen im Internet!
„Hach ja“, mag man da seufzen. Geht also wieder alles nicht? Wegen Datenschutz? Zu schade, wo es doch nun wirklich mal eine praktische Sache wäre für alle Beteiligten.
Vielleicht ginge es ja aber doch. Es müsste nur einen Anbieter geben, der die meisten dieser Daten sowieso bekommt. Der schon von Gesetz wegen zu allerstrengsten Sicherheitsvorkehrungen verpflichtet ist. Und einer der heute schon Beziehungen zu fast allen niedergelassenen Ärzten hat. Eine Körperschaft öffentlichen Rechts vielleicht?
Warum bietet die das eigentlich nicht den Ärzten und ihren Patienten an? Das wär’ doch mal was!
In seinem Blog – benannt nach dem Bordarzt von „Raumschiff Enterprise“ – kümmert sich Philipp Stachwitz weniger um ferne Galaxien, sondern er kommentiert, wie die Zukunft der Medizin durch Telematik und E-Health beeinflusst wird. Als Krankenhausarzt und ehemaliger stellvertretender Dezernent für Telematik der Bundesärztekammer kennt er die Materie gleichermaßen aus der Praxis wie auch aus der Politik.
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