Gesundheit

Evolution: Menschliches Y-Chromosom bleibt standhaft

Donnerstag, 23. Februar 2012

Männer können aufatmen. Das Y-Chromosom ist kein Auslaufmodell der Evolution. Jedenfalls nicht beim Menschen. Dies zeigt ein Genvergleich der Y-Chromosomen von Mensch und Makaken. Die evolutionären Wege der beiden Primaten haben sich bereits vor 25 Millionen Jahren getrennt. Dennoch ist nur ein einziges Gen auf dem Y-Chromosom verloren gegangen.

Langezeit sah es anders aus. Das Y-Chromosom ist vermutlich 200 bis 300 Millionen Jahre alt. Es entstand in einem gemeinsamen Arm aller Säugetiere, und es legte das Geschlecht erstmals im Erbgut fest. Vorher hatten Umweltfaktoren wie die Temperatur die embryonale Entwicklung des Geschlechts bestimmt. Bei den Amphibien ist es heute noch so.

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Anfangs hatte das Y-Chromosom noch die gleiche Größe wie das X-Chromosom. Doch bereits frühzeitig wurde jeglicher Ballast über Bord geworfen. Lange glaubten die Forscher, dass dieser Prozess derzeit noch anhält. Schon jetzt enthält das Y-Chromosom nur noch 3 Prozent der Gene des früheren Autosoms. Forscher gaben dem Y-Chromosom gerade noch 10 Millionen Jahre, nicht viel in evolutionären Dimensionen.

Ein vor zwei Jahren erschienener Vergleich von Schimpansen und Mensch schien die These vom „verottenden“ Y-Chromosom noch zu bestätigen. Seit sich die Wege dieser beiden Primaten vor 6 Millionen Jahren trennten, hatte sich das Y-Chromosom stark verändert. Eine Ursache schien die Promiskuität der Schimpansen zu sein. Promiskuität fördert die Samenproduktion. Ihre Menge bestimmt die Chance auf eine Fortpflanzung. Und bei den Schimpansen haben sich die für Spermatogenese notwendigen Gene auf dem Y-Chromosom ausgebreitet.

Auch Makaken sind promiskuitiv. Jennifer Hughes vom Whitehead Institute for Biomedical Research in Cambridge hatte erwartet, dass die Unterschiede größer sind als zum Schimpansen. Dass nun kaum Abweichungen gefunden wurden, spricht gegen die These vom „verrottenden“ Y-Chromosom und für die Stabilität des männlichen Y-Chromosoms.

Für den Phänotyp Mann ist das Y-Chromosom übrigens nicht erforderlich. Einige Säuger wie der transkaukasische Maulwurf und bestimmte Wühlmausarten haben kein Y-Chromosom mehr. Die Teilung in Männchen und Weiblein blieb dennoch erhalten. Die notwendigen Gene wurden kurzweg auf andere Chromosomen verteilt. Es wäre also falsch, den Mann nur auf das Y-Chromosom zu reduzieren.

Leserkommentare

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j.g.
am Donnerstag, 23. Februar 2012, 22:51

Y

Also doch: das Y ein verkrüppeltes X. Verloren gegangen sind offenbar die hemmenden Elemente.

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