Es gibt wohl kein westliches Land, das nicht eine
staatliche Unterstützung fuer Menschen mit Behinderungen vorsieht. Die USA ist
darin keine Ausnahme. Es gibt sogar einen Onlinerechner, mit dem man diese berechnen kann (http://www.ssa.gov/OACT/quickcalc/index.html). Da ich diverse Patienten mit Behinderungen
betreue, habe ich in letzter Zeit über die Hintergründe der Gesetzgebung und
Berechnung nachgelesen.
So ist die Validierung einer Behinderung oft ein langwieriger Prozess, bei
dem viele ärztliche Unterlagen begutachtet werden. Ist sie festgestellt
worden, so wird deren Schwere eingeschätzt. Ist diese signifikant, so hat der
Betroffene Anspruch auf finanzielle Unterstützung. Sie ist vor allem an das
vorherige Einkommen gekoppelt – circa ein Drittel des vorherigen Einkommens
wird im Behinderungsfall ausbezahlt, wobei es zwar keine Maximalgrenze gibt,
aber bei höheren Einkommen dann nur noch ein Viertel oder gar Fünftel ueberwiesen
wird. Dieser Betrag wird meistens ein Leben lang bezahlt und nur von der Rente
abgelöst, wenn sie höher als die Behinderungsalimentierung ist.
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Schauen wir uns einmal zwei Rechenbeispiele an: Ein 60-Jähriger erleidet einen
Schlaganfall und ist nach drei Monaten noch immer dysarthrisch mit Halbseitenparese.
Sein Verdienst war $50.000 pro annum
vor jenem Apoplex. Nach §11.04 des „blauen (Sozial-)buches“ (http://www.socialsecurity.gov/disability/professionals/bluebook) erfüllt der Betroffene die Definition einer
Behinderung. Somit wird aller Wahrscheinlichkeit nach ihm monatlich $1.322
ausbezahlt. Auszerdem hat er Anspruch auf staatlich alimentierte
Krankenversicherung, Essensgutscheine, und ggf. zusätzlicher Geldzahlungen (http://www.socialsecurity.gov/pubs/10153.html#2=&a0=2). Lebt er in einem „großzügigeren“ Bundesstaat
wie Minnesota, erhaelt er noch weitere Leistungen wie Wohngeld.
Das zweite Beispiel ist ein 45-jähriger Hilfsarbeiter, der eine
systolische Kardiomyopathie mit signifikanter Einschraenkung seiner
Belastbarkeit entwickelt. Aetiologie ist ischämisch und sein Nikotinabusus und
Adipositas haben wohl dazu beigetragen. Trotz medikamentöser und revaskulierender Therapie
verbessert sich im Laufe der nächsten zwölf Monate nur unzureichend seine
Herzinsuffizienz. Eine Echokardiographie und Gehtest bestätigen die schwere
Einschränkung. Dann erfüllt er nach §4.02 die Voraussetzungen, dass eine Behinderung anerkannt wird und
hätte bei vorherigem Einkommen von $25.000 sein Leben lang Anspruch auf $947,
neben schon oben erwähnten zusätzlichen Leistungen.
Diese Beträge mögen nicht eben großzügig sein, aber angesichts von
28,9% Familien mit mindestens einem Angehörigen mit Behinderung (n=20.874.130
betroffene Familien) ist das eine hohe finanzielle Bürde für den US-Staat (http://www.census.gov/prod/2005pubs/censr-23.pdf), wobei angemerkt werden muss, dass nicht alle
Menschen mit Behinderung auch tatsächlich Geldleistungen erhalten. Noch dazu
gibt es geographische (der Süden hat eine höhere Dichte), ethnische (Schwarze,
Latinos und Indianer haben signifikant höhere Behinderungsquoten),
urban-ländliche (zu Ungunsten der Stadt) Unterschiede, die dadurch einzelne
Bundesstaaten mehr als andere belasten. Diese Zahlen helfen zu verstehen, dass
die USA wie alle westlichen Staaten substanzielle Geldleistungen bezahlt. Und
wieso die Republikaner dieses begrenzen wollen.
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Dieser Blog gefällt mir. Dadurch bekomme ich Einblicke in die wahren Verhältnisse. Ich war noch nie in den USA. Wie es ausschaut, muss ich meine bisher gepflegten Vorurteile aufgeben...
Vom Arztdasein in Amerika
Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Petrulus über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.
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