Ein ärztlicher Kollege hat 15 Jahre
lang in Deutschland gelebt und einige Jahre dort als Arzt gearbeitet ehe er in
seine US-Heimat zurückkehrte.
Entsprechend spricht er fließend Deutsch, und wir unterhalten uns häufiger miteinander auf Deutsch
Ein interessantes Phänomen ergibt sich, wenn wir dieses in Anwesenheit
nichtdeutschsprachiger Kollegen oder dem Pflegepersonal tun: Nach oft nur
wenigen Sekunden werden wir unterbrochen und aufgefordert, englisch zu reden. „Wir
sind in den USA“, wie kürzlich eine Kollegin es uns gegenüber lapidar begründete. Wenn wir dennoch weiter deutsch
reden, ernten wir nicht nur böse Blicke, sondern werden meistens aufgefordert, das
Arztzimmer zu verlassen bis wir unser „unhöfliches“ Verhalten beendet haben und wieder englisch
reden, weil „alles andere inakzeptabel“ sei.
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Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass es vielen
deutschsprachigen Menschen hier ähnlich ergeht. Es geht manchmal so weit, dass wir deutsch
nur noch im Flüsterton
reden oder uns nur noch auf Englisch unterhalten, wenn wir von anderen überhört werden können. Wir wollen ja auch unseren
Respekt vor dem Gastland kundtun. Weiterhin fällt mir auf, dass die überwältigende Mehrheit der Einwanderer in meiner
Anwesenheit im Patientenzimmer dasselbe tut und manchmal sogar sehr gebrochen englisch
dabei spricht.
Nun ein Experiment an
meine Kollegen in Deutschland: Fordern Sie solch ein Verhalten von
nichtdeutschsprechenden Menschen in deutschen Krankenhäusern ein! Macht das jemand?
Traut man sich? Mir kommt die Mentalität in Deutschland eine andere vor: Man traut sich
nicht solches einzufordern und begründet das dann vor sich selber
damit, dass man höflich
gegenüber dem anderen
sei. Ein kleiner, aber feiner Unterschied in der Umgangsweise zwischen den
beiden Ländern,
der viel über
uns aussagt.
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Fordern Sie solch ein Verhalten von nichtdeutschsprechenden Menschen in deutschen Krankenhäusern ein!
Und die Gutmenschen werden Sie unverzüglich als Nazi diffamieren. Wie man hört, reden die amerikanischen Neger sich gegenseitig mit "Nigger" an. Was würde passieren, wenn ein Weißer das täte?
. . .und Unsicherheit ist die Ursache für dieses Problem.
Bei vertrauensvollem Umgang miteinander, ist es gleich, in welcher Sprache meine Arbeitspartner kommunizieren. Für den Fall, dass ich am Inhalt teilhaben möchte, bitte ich um Umstellung auf eine gemeinsame Sprache oder kurze Übersetzung.
Fazit: In Umgebungen / Ländern mit einer hohen Unsicherheit / Mißtrauenskultur tritt dieses Problem sehr schnell auf.
.... würde ich das eher nennen. Wir sind die Herren der Welt und reden DIE Weltsprache. Dasselbe Verhalten fand ich oft genug auch in Frankreich und/oder Groß-Britannien.
Die beiden Weltkriege, insbesondere der 2., haben unser nationales Selbstbewußtsein gestutzt. Ich finde beides nicht gut - zu viel und zu wenig Nationalstolz sind einfach ungut.
Etwas deratiges zu fordern ist derart bescheuert, aber entspricht den Vorurteilen die man sowieso hat. Hier in Canada rede ich mit meinen Landsmännern jeweils die Muttersprache (Deutsch u. Dänisch). Hier gibt es niemanden der uns böse Blicke gibt. Liegt es vielleicht daran dass alle meine Vorgesetzten Ausländer sind? Dänen, deutsche, Inder usw? Oder liegt es daran dass man in Canada stolz auf seine Wurzeln ist und dieses gerne zeigt?
Vom Arztdasein in Amerika
Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Petrulus über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.
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