Gesundheit

Therapierezepte aus der Gen-Enzyklopädie der Zelllinien

Donnerstag, 29. März 2012

Früher wurden Tumorzelllinien benutzt, um die Wirksamkeit neuer Substanzen zu testen. Das Laborpersonal beobachtete, ob ein potenzielles Medikament die Proliferation der Zellen verhinderte, dann kam es als möglicher Wirkstoff in Frage, der weiter untersucht wurde, zunächst im Tierexperiment und schließlich im klinischen Versuch. In Zukunft sollen Gen-Analyse diese Arbeit erleichtern.

Bevor eine neue Substanz untersucht wird, schlagen die Forscher in einer Gen-Enzyklopädie nach um herauszufinden, ob der Tumor genetische Ähnlichkeit mit anderen Tumoren hat, bei denen die Substanz bereits erfolgreich eingesetzt wurde. Diese Biomarker der Sensitivität oder auch der Resistenz finden die Forscher nicht in einem Handbuch aus dem Regal, sondern im Rechner und im Internet. Das Ausgangsmaterial liefern zwei Projekte, die jetzt ihre ersten Ergebnisse vorstellen.

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Das Team um Levi Garraway vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston hat die Gendaten von 479 Zelllinien mit den pharmakologischen Profilen von 24 Medikamenten in Beziehung gesetzt (Nature 2012; 483: 603-607). Das Team um Mathew Garnett vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge/England hat ähnliche Profile von 639 Tumorzelllinien und 130 Wirkstoffen erstellt (Nature 2012; 483: 570–575).

Beide Teams liefern der Arzneimittelforschung reichlich neues Futter zur Suche nach Wirkstoffen, die dann in klinischen Studien untersucht werden. Beide Team fanden zahlreiche Anregungen, in einem Fall gab es eine interessante Übereinstimmung. Beide Teams wagen die Voraussage, dass sogenannte PARP-Inhibitoren, die derzeit für die Behandlung von Mamma- und Ovarialkarzinomen getestet werden, möglicherweise auch bei einem Ewing-Sarkom wirksam sein könnten, da die Zelllinien ein Merkmal tragen, das als Wirkansatz dienen könnten.

Ob diese Voraussage zutrifft, dürfte jetzt relativ schnell zu klären sein, da einige PARP-Inhibitoren die präklinische Phase durchlaufen haben. Sie gelten als sicher und könnten deshalb in klinischen Studien bei Patienten mit diesem seltenen Tumor getestet werden, für den es bisher nur begrenzte und toxische Therapieoptionen gibt. Die Ergebnisse werden zeigen, ob die Mühen für die Katalogisierung sich gelohnt haben.

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