Gesundheit
Toxische und illegale Substanzen in traditionellen chinesischen Heilmitteln
Freitag, 13. April 2012
Mit der Deklaration der Inhaltsstoffe nehmen es die
Hersteller von Mitteln der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) nicht
immer so genau. Die Anwender können nicht wissen, was die Pülverchen, Pillen
und Tees enthalten, die sie in gutem Glauben einnehmen. Ohne es zu ahnen,
riskieren sie womöglich ihre Gesundheit und leisten am Ende sogar unter
Umständen noch einen Beitrag zum Aussterben bedrohter Tierarten, wie zwei
aktuelle Studien zeigen.
Das Team um Mike Bunce vom Australian Wildlife Forensic
Services and Ancient DNA Laboratory in Perth hat Proben, die der australische
Zoll beschlagnahmt hat, auf genetische Spuren von Pflanzen und Tieren
untersucht. Sie fanden Hinweise auf nicht weniger als 68 unterschiedliche
Pflanzenfamilien, darunter auch Ephedra und Asarum, die Giftstoff enthalten
können.
Der Nachweis der Gene besagt natürlich nicht, dass
tatsächlich Toxine in den Pflanzen enthalten sind, geschweige denn, dass die
Konzentration ausreichen würde, um irgendeinen gesundheitlichen Schaden
anzurichten. Da die Inhaltsstoffe jedoch nicht auf den Verpackungen erwähnt
wurden, sieht Bunce einen Verstoß gegen geltendes Recht.
Neben den Pflanzen enthielten die konfiszierten TCM auch
genetische Hinweise auf den Kragenbär (Ursus thibetanus) und Saiga tatarica,
eine Antilopen-Art. Beide stehen auf der Liste der vom Aussterben bedrohten
Tiere, und die Hersteller von TCM gelten als eine Ursache für den Raubbau an
der Artenvielfalt im Tierreich.
Aber auch wem das egal ist, sollte den TCM misstrauen,
findet Bunce. Denn eine Probe, die zu 100 Prozent aus dem Horn der
Saiga-Antilope bestehen sollte, enthielt deutliche Anteile an DNA von Ziege und
Schaf, ein Hinweis, dass hier wohl nicht allein auf vom Aussterben bedrohte
Tierarten zurückgegriffen wurde (Den Artenschützern wäre es sicher Recht, wenn
die Hersteller ganz auf die geriebenen Hörner der Haustiere wechseln würden).
Zu den Toxinen, die Asarum-Arten produzieren, gehört auch
Aristolochiasäure, ein nachgewiesenes Karzinogen und Auslöser von
Urothelkarzinoms der oberen Harnwege (UUC). Diese Krebsart tritt in keinem
anderen Land so häufig auf wie in Taiwan. Dort erfreuen sich TCM mit
Aristolochiasäuren seit längerem einer hohen Beliebtheit. Ein Drittel der
Bevölkerung soll auf diese Mittel zurückgreifen, berichtet die Gruppe um Arthur
Grollman von der Stony Brook University im US-Staat New York.
Der Pharmakologe hat in Taiwan jüngst 151 Patienten mit UCC
untersucht. Bei 84 Prozent fand er in den Gewebeproben des Tumors Mutationen im
Tumorsuppressor-Gen p53, die für die Einwirkung von Aristolochiasäuren
charakteristisch sind. Für Grollman ist dies ein klarer Beweis dafür, dass die
Verwendung der TCM für die hohe Rate von UCC in Taiwan verantwortlich ist.
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