Gesundheit
Mensch und Hund sind Lauf-Junkies
Mittwoch, 25. April 2012
Aus evolutionsbiologischer Sicht ergeben die derzeit
populären Marathon-Läufe überhaupt keinen Sinn. Die Sportler verbrauchen viel
Energie, die sie über die Nahrung zuführen müssen. Nahrung war aber während der
meisten Zeit der Menschheitsgeschichte knapp. Die Läufer setzen sich außerdem
einem Verletzungsrisiko aus, das in früheren Zeiten ihre Fähigkeit zur
Nahrungssuche gefährdet und sie schnell selbst zur Mahlzeit hätte machten
können.
Auch die Bewegungsfreude von Hunden ist eigentlich unsinnig,
da zum Abschlagen des Urins der nächste Baum gerade gut genug ist. Die
Bewegungsfreude der beiden „cursorial mammals“ hängt mit einer
Belohnungsreaktion zusammen, deren Transmitter die endogenen Cannabinoide sind.
Sie werden bei Mensch und Hund nur bei stärkerer körperlicher Bewegung
freigesetzt, wie die Untersuchungen des Anthropologen David Raichlen von der
Universität von Arizona in Tucson zeigen.
Mensch und mehr noch der Hund sind deshalb Lauf-Junkies.
Frettchen sind es nicht. Diese Tiere bewegen sich ungern und wenn sie, etwa in
den Experimenten von Raichlen dazu gezwungen werden, setzen sie nicht vermehrt
Endocannabinoide frei.
Was Raichlen nicht erklären kann, ist, warum nur eine
Minderheit von Menschen den Bewegungsdrang verspürt. Die meisten bevorzugen
heute sitzende Tätigkeit (und eine Minderheit hat sogar gelernt, dass die Glücksgefühle
auch ohne jegliche Anstrengungen zu haben sind, wenn auch durch Verstöße gegen
bestehende Gesetze). Aus medizinischer Sicht fehlt es derzeit an geeigneten
Mitteln, die zunehmende Zahl der Sofakartoffeln zum Laufen „anzufixen“.
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