Statine senken das LDL-Cholesterin, das ein wichtiger
Risikofaktoren für die Atherosklerose und ihre Folgeerkrankungen ist. Da die
Statine in der Regel gut verträglich sind, kommt immer wieder der Vorschlag,
die Indikation auf Personen auszudehnen, deren Cholesterinwerte nur mäßig
erhöht sind. Da Labortests teuer, die Medikamente günstig sind, wird gleich
gefordert, alle Personen über 50 mit einem niedrig dosierten Statin zu
behandeln. Nicht ohne Grund ist Simvastatin Bestandteil der „Polypille“.
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Der jüngste Vorstoß kommt von den Cholesterol Treatment
Trialists’ (CTT) Collaborators um Colin Baigent von der Universität Oxford. Die
Gruppe hat die Daten von 27 randomisierten Studien mit 175.000 Personen
ausgewertet. Ergebnis: Jede Reduktion des LDL-Cholesterins um 1 mmol/l senkt
die Wahrscheinlichkeit auf ein großes kardiovaskuläres Ereignis (Herzinfarkt,
Schlaganfall oder koronare Revaskularisierung) innerhalb der nächsten 5 Jahre
um ein Fünftel – und zwar unabhängig von Alter, Geschlecht und
Ausgangs-LDL-Cholesterinwert. Auch Personen, deren Risiko auf ein kardiales
Ereignis bei unter 10 Prozent für die nächsten 10 Jahre liegt, profitieren von
der Therapie.
Im Prinzip sind die Ergebnisse nicht neu. Bereits im letzten
Jahr war eine Meta-Analyse der Cochrane Collaboration zu dem Ergebnis gekommen,
dass die Primärprävention mit Statinen die Sterblichkeit senkt. Fiona Taylor
von der London School of Hygiene and Tropical Medicine in London und
Mitarbeiter waren damals allerdings in ihrer Beurteilung vorsichtiger. Sie
verwiesen auf die Unsicherheiten in den Studien und rieten auch wegen der
unklaren Kosten-Nutzen-Relation bei Personen mit niedrigem Risiko eher von
einer Behandlung ab. Baigent bezieht dagegen klar für die Primärprävention
Stellung und verweist darauf, dass bei Personen mit niedrigem Risiko
(10-Jahresrisiko unter 10 Prozent) durch die Einnahme von Statinen über 5 Jahre
insgesamt 11 Ereignisse auf 1000 Behandelte verhindert werden können.
Für die einzelne angesprochene Person bedeutet dies
allerdings, dass sie über 5 Jahre fast 2.000 Tabletten (1826 genau genommen)
einnehmen müssen, um ihr absolutes Risiko auf Herzinfarkt und Schlaganfall um
etwa 1 Prozent zu senken. Der British Heart Foundation, die die Studie (mit
anderen) in Auftrag gegeben hat, schwant wohl, dass dieses Argument die
wenigsten Menschen überzeugen wird.
Denn von den Patienten, denen - in der Regel zur
Sekundärprävention – dringend zur Einnahme von Statinen geraten wird
– nimmt nach den Erkenntnissen der britischen Kardiologen nur jeder dritte
die Tabletten regelmäßig ein. Der Fachverband hat deshalb eine Kampagne
gestartet, die die Compliance steigern soll. Im Zentrum steht die britische
Comedy-Legende Tommy Cooper, der 1984 vor den Augen eines Millionen-Publikums
einen Herzinfarkt erlitt und auf dem Weg ins Krankenhaus starb. In der
Öffentlichkeit war Cooper als starker Raucher und Alkoholiker bekannt. Ob auch
seine Cholesterinwerte erhöht waren?
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