Gesundheit
Kontrazeption: Spirale der Pille deutlich überlegen
Donnerstag, 24. Mai 2012
Gemessen am Pearl-Index gehören orale Kontrazeptiva zu den
sichersten Verhütungsmitteln – vorausgesetzt die „Pille“ wird täglich
eingenommen. Dass die Wirklichkeit anders aussieht, zeigen die Erfahrungen des
Contraceptive CHOICE-Projekts. Die 7.486 Teilnehmerinnen der US-Studie wurden
ausführlich über die Vor- und Nachteile der Kontrazeption aufgeklärt, deren
Wahl ihnen frei gestellt wurde. Dazu gehörte natürlich auch die Ermahnung, die
Einnahme der „Pille“ nicht zu vergessen. Dennoch entsprechen die
Schwangerschaftsraten in dieser „Feldstudie“ nicht der theoretischen
"Versagerquote" aus dem Pearl-Index, die eine fehlerfreie Anwendung
voraussetzt. Das gleiche gilt für Kontrazeptivpflaster und Vaginalringe.
Bei Pille, Pflaster und Ring beträgt die
Schwangerschaftsrate laut Pearl-Index 0,3 pro 100 Frauen und Anwenderjahr.
Unter den Teilnehmerinnen des CHOICE-Projekts lag die Rate am Ende jedoch bei
4,55 pro 100 Frauen und Anwenderjahr, also mehr als 13 Mal so hoch. Wesentlich
zuverlässiger sind langfristig wirkende reversible Kontrazeptiva (LARC) wie
Spirale und Hormonimplantate. Beide bleiben für längere Zeit im Körper, weshalb
bei beiden die Anwendung auch nicht „vergessen“ werden kann. Hier entspricht
der Pearl-Index (weit unter 1 Prozent) weitgehend der Wirklichkeit. Die
Schwangerschaftsraten lagen in der Feldstudie bei 0,27 Prozent. In der
adjustierten Risikoanalyse von Brooke Winner vom Barnes-Jewish Hospital in St.
Louis und Mitarbeitern waren Pille, Pflaster und Ring 22-fach unzuverlässiger
als Spirale und Hormonimplantate.
Die Analyse ergab auch, dass gerade jüngere Frauen (denen
sehr häufig die Pille verschrieben wird) zu 83 Prozent häufiger ungewollt
schwanger wurden als ältere Frauen. Frauen mit einem hohem Ausbildungsstand
(die sich eher für eine Spirale entscheiden) wurden nur halb so häufig
schwanger. Und auch die Zahl der früheren ungewollten Schwangerschaften sollte
eigentlich ein Signal sein, es mit einem LARC zu versuchen. Das ist in den USA
häufig nicht möglich, da die Spiralen sehr teuer sind (500 US-Dollar und mehr).
Dies liegt unter anderem an der Vermarktung von Hormone freisetzenden „IUDs“,
die, wie Untersuchungen zeigen, den früheren Kupferspiralen nur wenig überlegen
sind.
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