Vom Arztdasein in Amerika
Abschiedsfeier: Endlich Facharzt
Freitag, 22. Juni 2012
Die Stadt Minneapolis entstand
an der Mündung der beiden großen Flüsse Mississippi und Minnesota, der
Missisippi 3.800 Kilometer lang, letzterer
immerhin knapp 500 Kilometer. Begehrte Wohn- und Freizeitanlagen liegen an
einem der beiden Flüsse. So fand auch die Abschiedsfeier von uns
Assistenzärzten in einem Festsaal am Fluss Minnesota statt, dem Minnesota
Valley Country Club (http://www.mvccgolf.com/guests/home.htm). Was unsere Graduierungsfeier gekostet haben
mag, kann ich nicht sagen, aber angesichts der exklusiven Lage am Fluss
inmitten einer 70-Hektar großen Golfanlage in einer der teuersten Gegenden von
Minneapolis, wird es wohl im fünfstelligen Dollarbereich gewesen sein.
Doch es hat sich gelohnt,
denn es war ein grandioses Ambiente; und so fand an einem Freitagabend im Juni
dieses Jahres unsere Verabschiedung, unsere Graduierungsfeier, ebenda statt.
Drei Jahre Facharztausbildung waren zu Ende gegangen; angesichts meiner
Frankreich- und Deutschlandarbeitszeit knapp fünf Jahre Assistentendasein
total, ein Grund zum Feiern.
Um 18:30 Uhr trudelten
die knapp 100 eingeladenen Ärztinnen und Ärzte, mehrheitlich Internisten und
Subspezialisten aus dem internistischen Spektrum, allmählich ein, und es wurde
in lockerer Atmosphäre das gemacht, worin Amerikaner sehr gut sind: Geplaudere,
also small talk. Um Punkt 19:30 Uhr ergriff der
Programmdirektor das Wort, bat uns an unsere Tische und ein viergängiges
Abendessen wurde aufgetragen. Es
folgte das Programm, d.h. eine lockere Vorstellung von uns frisch gekürten
Fachärzten durch zwei Oberärzte, hiernach eine zwanzigminütige Abschiedsrede und dann der Höhepunkt, das Überreichen
unserer Facharzturkunden.
Einer nach dem anderen
wurde aufgerufen, schüttelte mehreren Oberärzten die Hände, um dann sein
eingerahmtes Facharztdiplom überreicht zu bekommen. Wir bekamen viel Applaus
und durch die Glasscheiben die Blicke der neugierigen Golfspieler, die in der Abenddämmerung immer
wieder zu uns im hell erleuchteten Festsaal aufblickten.
Dann ein letztes gemeinsames Gruppenfoto und
etwas unspektakulär gingen wir alle nach Hause; deutsche Abiturienten feiern
ihr Abitur viel, viel ausgiebiger als wir es taten – einfach nur dem Alter, der
Reife geschuldet? Nun war uns klar, dass wir wirklich Fachärzte waren und mit
einem Gemisch aus Freude und Wehmut gingen wir nach Hause.
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