Die KOLIBRI-Studie des Robert Koch-Instituts hat in der
letzten Woche gezeigt, dass viele Deutsche regelmäßig zu Neuro-Enhancern
greifen, um Konzentration und kognitive Fähigkeiten zu steigern. Bei den
meisten beschränkt sich dies auf Energy-Drinks, Traubenzucker und andere
Getränke. Immerhin 1,8 Prozent der Frauen und 1,3 Prozent der Männer greifen
nach eigener Auskunft aber auch zu Medikamenten (Antidepressiva) oder sogar zu
illegalen Substanzen.
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Einige Patienten, die nach Organtransplantationen mit
Rapamycin (hier besser als Sirolimus bekannt) behandelt werden, erhalten das
Neuro-Enhancement möglicherweise als Nebenwirkung ihres Medikaments geschenkt -
sofern die tierexperimentellen Ergebnisse von Veronica Galvan von der
Universität von Texas in San Antonio auf den Menschen übertragbar sind (was ja
bekanntlich nicht immer der Fall ist). Galvan hat jedenfalls festgestellt, dass
Rapamycin die Lernfähigkeit von Mäusen steigert und den kognitiven Abbau im
Alter vermindert. Das Mittel scheint auch eine angstlösende und antidepressive
Wirkung zu haben. Im Gehirn der Tiere war die Konzentration der
„feel-good“-Neurotransmitter Serotonin, Dopamin und Noradrenalin erhöht,
berichtet Galvan.
Ob das alles für den Menschen relevant ist, muss, wie
erwähnt, offen bleiben. Den Organtransplantierten wäre die positive
Nebenwirkung (sofern sie nicht zur Unvernunft verleitet) ja gegönnt. Ein
Missbrauch scheint unwahrscheinlich, da die Medikamente kaum erschlichen werden
können und die lange Liste der sonstigen
Nebenwirkungen eher abschreckend wirken dürfte.
Aus pharmakologischer Sicht ist Rapamycin ein faszinierendes
Molekül. Das Makrolid wurde bereits 1965 auf der Suche nach antimykotisch
wirksamen Substanzen auf den Osterinseln (Rapa Nui) im Erdreich entdeckt.
Später wurde seine hemmende Wirkung auf T-Zellen erkannt.
Seit Ende der 90er
Jahre (Deutschland 2001) wird es zur Prävention von Abstoßungsreaktionen nach
Organtransplantationen eingesetzt. Die verwandte Substanz Tacrolimus ist auch
als Externum gegen Dermatitiden zugelassen. 2009 wurde beobachtet, dass
Rapamycin das Leben von Mäusen verlängert. Derzeit wird seine Wirkung in der
Krebstherapie untersucht, und es gibt Hinweise, dass Rapamycin gegen Morbus
Alzheimer aktiv sein könnte, was aber ebenso unbewiesen ist wie die Wirkung
gegen Autismus, HIV und die tuberöse Sklerose Sklerose. Die Faszination der
Forscher darf hier nicht mit einer belegten Wirksamkeit verwechselt werden.
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