Vom Arztdasein in Amerika
Bald Maschine statt Mensch – die Internistenmaschine
Dienstag, 3. Juli 2012
Im Rahmen der Abschiedsfeier (siehe Blogeintrag Abschiedsfeier) hielt einer der
Oberärzte eine zwanzigminütige Rede. Wir Assistenten der letzten
Ausbildungsjahrgangsstufe hatten der Tradition entsprechend ihn in einer
internen Wahl ausgewählt: Er war Internist und gleichzeitig Neurologe,
mittlerweile ausschließlich als Apoplexspezialist tätig. Wir hatten ihn
deswegen ausgewählt, weil er neben hohem Fachwissen und Intelligenz auch viel
Witz und Kauzigkeit mitbrachte, eine Kombination die ihn zu einer beinahe
schillernden Person in unserem Krankenhaus macht.
Entsprechend fiel dann auch die von ihm gehaltene
Abschiedsrede aus; sie enthielt kluge Ratschläge, viele Witze, zum Teil derbe
Seitenhiebe auf Kollegen, aber auch so manche Schrulligkeit. Am kontroversten
war seine mit recht viel Detail vorgetragene Prognose, dass Internisten ab etwa 2025 nicht
mehr gebraucht würden und von Rechnern ersetzt werden würden.
Dass EDV-Programme in knapp 15 Jahren
internistische Aufgaben besser, effizienter und auch billiger bewerkstelligen
würden. „Verdienen Sie lieber schnell Geld, sparen Sie es, denn bald braucht
man Sie nicht mehr”, hatte er uns zugerufen – nicht gerade aufmunternde Worte
auf einer Abschiedsfeier. Er ist eben etwas schrullig, und wir hatten gelacht,
als er das sagte. Doch was ist wenn er Recht behält?
Zum Glück habe ich noch 15 Jahre Facharztdasein bis
dahin. Außerdem
muss ich mir um
die Stabilität des US-Dollars nicht so viele Gedanken machen wie in manchen
anderen Ländern der westlichen Welt. Sollte ich also in 15 Jahren durch eine
Maschine bzw. ein Programm ersetzt werden, kann ich mir immerhin noch recht
sicher sein, dass
die Währung, in der ich mein Geld angespart habe, wohl noch existieren wird.
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