Vom Arztdasein in Amerika
Wer will die Unversicherten?
Freitag, 13. Juli 2012
Zweimal in der Woche muss ich den Unversichertenpiepser
tragen. So nenne ich den Aufnahmepiepser, den ich als Internist dann zugeteilt bekomme und mit dem die Notaufnahme mich tagsüber anpiepst,
um mir die Patienten, die keinen Hausarzt haben („unassigned
patients” im offiziellen
Sprachduktus), zu übergeben. Das sind zu 90% Menschen ohne Krankenversicherung. Sie
sind meistens arm und überdurchschnittlich oft alkohol- oder drogenabhängig und
übergewichtig.
Viele meiner Kollegen stöhnen über diese Patienten:
Sie haben keine Krankenversicherung und oft ein gesundheitsabträgliches
Verhalten. Da sie keine Krankenversicherung haben, stellt der Arzt dem
Patienten direkt die Rechnung für seine Dienste und nicht sowohl der
Krankenversicherung als auch dem Patienten. Viele von den unversicherten
Patienten sind jedoch mit der Krankenhaus- und Arztrechnung überfordert und
besitzen ein zu niedriges Einkommen, um es verpfänden lassen zu können; so
verfallen die Rechnungen sehr oft trotz Nichtbezahlens nach wenigen Jahren.
Das erklärt, wieso viele Ärzte diesen Piepser ungern tragen: Er bedeutet
viel Arbeit bei oft geringer bis keiner Bezahlung. In solchen Situationen geht
das Krankenhaus leer aus, die Ärzte gehen leer aus, der Patient wird trotzdem
gesund gemacht. Das alles ist schoen seit Jahrzehnten so und hat nichts mit der
"Obamagesundheitsreform" zu tun.
Dass der Patient uns Ärzte trotz
Nichtbezahlens dennoch verklagen kann, klingt ironisch, ist aber so. Die USA sind eben ein wenig anders.
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