Vom Arztdasein in Amerika
Unsoziale Gesundheitsversorgung
Montag, 27. August 2012
Es muss sich wohl um ein Entwicklungsland handeln, um den es in einem kürzlich
erschienenen FAZ- Artikel geht: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/serie-arbeiten-ohne-geld-mit-haenden-und-fuessen-11842031.html. In diesem wird geschildert, wie ein Arzt
ehrenamtlich ohne Gehalt arbeitet, weil ein Staat nicht all seinen Bewohnern eine Krankenversicherung bietet. Handelt es sich bei diesem Staat um Uganda? Tadschikistan? Oder die
USA, die gemeinhin in Europa den Ruf hat, unsozial mit vielen Bevölkerungsgruppen –
vor allem den wenig finanzstarken – umzugehen?
Ach nein, es ist Deutschland im Jahr 2012. In diesem FAZ-Artikel wird
unterschweillg suggeriert, dass der deutsche Staat wieder einmal seiner Pflicht nicht nachgekommen sei, alle
Lücken im Sozialnetz geschlossen zu haben und es zudem verpasst habe,
seine Ressourcen von den starken auf die schwachen Schultern umzuverteilen und von
den Gebewilligen zu nehmen für die Bedürftigsten.
Doch wer den Artikel liest, merkt schnell,
ob er in den USA eher pro oder kontra Staat wäre, ob der Staat jedes
auftretende Problem lösen soll, ob Geld für die Lösung jedes Missstandes überhaupt zur Verfügung stehen kann, ob es nicht eine Grenze auch
des groβzügigsten Sozialstaates gibt. Es kommen dann US-typische Fragen auf: Hat ein Bürger für das gesamte
Leid der Nation durch Steuer- und Abgabelasten zu bürgen? Wie unendlich sind Ressourcen
und wieviel des Erarbeiteten darf man behalten?
Wer
auch nur ansatzweise so denkt, der beginnt wie ein US-Republikaner zu denken.
Wer dann anfängt zu denken, dass der eigene Mund
einem manchmal näher ist als der fremde, der ist gar
nicht mehr so weit von Mitt Romney entfernt. So einfach
kann die US-Politik sein.
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