In
meiner Internistengruppe gibt es Arztassistenten (Physician’s Assistant). Das ist
ein Konzept, bei dem ärztliche Aufgaben von medizinisch zwei- bis dreijährig
studierten Nichtärzten, eben Arztassistenten, übernommen werden. Studiengänge
hierzu werden seit jüngster Zeit auch in Deutschland angeboten, wie z.B. an den
Fachhochschulen in Karlsruhe oder Rheine. Das Berufsbild und Studium des
Arztassistenten wird dabei wie folgt verstanden: „Der Bachelor-Studiengang
[Arztassistent] Physician Assistant qualifiziert für die eigenständige,
ärztlich delegierte Assistenztätigkeit im Berufsfeld des Operationsdienstes,
der Intensivstation, der Notfallambulanz, der Dialyse und der
Funktionsdiagnostik” (Quelle: http://www.mhrheine.de/index.php?option=com_content&view=article&id=24&Itemid=54).
Arztassistenten stellen die erste Assistenz
bei chirurgischen Eingriffen dar, sind für die chirurgische Hauptvisite
verantwortlich, erledigen die ersten Verbandswechsel nach Operationen etc. Auch
bei Internisten übernehmen sie seit vielen Jahren wesentliche Aufgaben in der
Visite und Erstbetreuung von Patienten. Dabei ist die Hauptaufgabe der
Arztassistenten zweigeteilt: Sie sollen uns Ärzte Arbeit
abnehmen, uns so entlasten in einem normalerweise sehr vollen Arbeitstag und
dabei Patienten derart gründlich visitieren, dass wir Internisten beispielsweise
nur noch eine kurze Stippvisite zu machen haben wie z.B. der Oberarzt in Deutschland
bei der Oberarztvisite. Weiterhin sollen sie unsere Effizienz steigern, also
ein höheres Patientenvolumen pro Arzt ermöglichen, wodurch die
Internistengruppe mehr Geld einspielt.
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Denn ganz billig sind sie nicht: Sie
arbeiten vier Tage die Woche von morgens 7 bis abends 17 Uhr, nur ein
Wochenende pro Monat und verdienen dafür knapp 95.000 US-Dollar pro Jahr. So
mancher deutscher und europäischer Arztkollege wünscht sich solch ein Gehalt
und Arbeitszeiten.
Mit
solch einem Arztassistenten habe ich zum ersten Mal nun zusammen gearbeitet: Bekam ich eine Aufnahme, gab ich sie an ihn weiter. Er nahm den Patienten auf,
schrieb alle Anweisungen, erledigte all die zu anfallenden organisatorischen Arbeiten,
schrieb den Aufnahmearztbrief und stellte mir den Fall dann zusammen mit 20
anderen von ihm visitierten Patienten nachmittags vor. Ich visitierte alle
Patienten danach gemeinsam mit ihm – das dauerte mich insgesamt wohl knapp
anderthalb Stunden – und unterschrieb all seine Arztbriefe und Anweisungen,
also ähnlich einer Oberarztvisite. Dadurch konnte ich deutlich mehr Patienten
an jenen Tagen sehen als bislang.
Ich bin nur bedingt glücklich mit
solch einer Arztassistentenkonstellation, denn ich konnte die Patienten nicht
so gut kennenlernen wie bei einer eigenen Visite. Auβerdem haftet letztlich der
betreuende Arzt für die Therapieentscheidungen des Arztassistenten mit.
Entsprechend kritisch sehe ich die Einführung dieses US-Berufsbildes in
Deutschland und habe auch gegen eine weitere Einstellung von Arztassistenten in
meiner Gruppe gestimmt.
Doch
US-Politiker gehen davon aus, dass angesichts eines Arztmangels und seiner hohen
Kosten die zunehmende Umverteilung auf Arztassistenten zukunftträchtig ist. Sie
erhoffen sich eine gewisse Konkurrenz mit marktverbessernden Effekten. Aber im
Gegensatz zum arzttätigen Pfleger (nurse practitioner), von dem ich an anderer
Stelle einmal berichten werde, ist der Arztassistent eben an den Arzt gebunden,
ein Assistent, und damit kein vollwertiger Arztersatz.
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Vom Arztdasein in Amerika
Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Petrulus über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.
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