Gesundheit
Wenn Mütter die DNA ihrer Söhne im Gehirn haben
Freitag, 28. September 2012
Bei jeder Schwangerschaft treten einzelne Zellen des Feten
in den Kreislauf der Mutter über. Einige passieren die Bluthirnschranke. Ihre
DNA ist dann unter Umständen noch Jahrzehnte nach der Geburt des Kindes
nachweisbar. Dies ist die wahrscheinlichste Erklärung für den Befund von
William Chan von der University von Alberta in Edmonton. Chans Team hat nämlich
im Gehirngewebe verstorbener Frauen DNA gefunden, die vom Y-Chromosom stammt:
Sie hatten männliche DNA im Kopf. Dieser Mikrochimärismus ist nicht selten.
Männliche DNA war bei 37 von 59 untersuchten Frauen vorhanden. Von den 37
Frauen hatten 35 nachweislich einen Sohn. Die beiden anderen könnten die Gene
bei einer frühzeitig beendeten Schwangerschaft erhalten haben. Als andere
mögliche Quelle bieten sich allenfalls noch nicht-bestrahlte Blutkonserven an.
Der Mikrochimärismus ist langlebig. Die älteste Frau mit
männlicher DNA im Gehirn war bei ihrem Tod 94 Jahre alt. Ob die fremde DNA im
Gehirn Auswirkungen auf die Gesundheit hat, wird derzeit untersucht. Sollte sie
der Grund dafür sein, dass Frauen häufiger am Morbus Alzheimer erkranken? Chan
hat dies untersucht, aber keine Hinweise gefunden.
Im Gegenteil: Frauen, die am Morbus Alzheimer erkrankt
waren, hatten seltener Fremd-DNA im Hirngewebe. Und wenn dies der Fall war, war
die Konzentration geringer als bei nicht an Alzheimer erkrankten Frauen.
Aufgrund der geringen Fallzahl kann Chan eine Beteiligung an der Pathogenese
der Demenzerkrankung jedoch nicht völlig ausschließen.
Fremde DNA kann auch im Blut und im Knochenmark überleben.
Es wird deshalb diskutiert, ob die Fremd-DNA auch Krebs oder
Autoimmunerkrankungen beeinflusst. Denkbar ist hier auch eine Schutzwirkung.
Sie wird für das Mammakarzinom und die rheumatoide Arthritis untersucht,
während es beim Darmkrebs Hinweise auf eine förderliche Wirkung geben soll.
Klare Antworten gibt es hier aber noch nicht.
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