Ausländische Ärzte wandern aus Deutschland in die USA
Montag, 1. Oktober 2012
Im Rahmen eines kurzen
Deutschlandaufenthaltes ging ich zur US-Botschaft in Berlin. Beim Warten fiel
mir auf, das mehrere ausländische, sehr gut deutsch sprechende Ärzte dort ein
US-Arbeitsvisum beantragten. Wir kamen ins Gespräch: Es waren allesamt Ärzte
aus dem nicht-europäischen Ausland, die zum Teil schon zehn Jahre als Arzt in Deutschland
gearbeitet hatten, nun aber in die USA auswandern wollten. Die Gründe waren die
üblichen: Bessere Bezahlung, niedrigere Steuern, geringere Bürokratie, erhoffte
bessere Arbeitsbedingungen und besseres Leben.
Statistische Zahlen belegen diesen Exodus
ausländischer Ärzte hinaus aus Deutschland; sie sind überproportional stark
hieran beteiligt: Obwohl ausländische Ärzte nur 12% der in Deutschland tätigen
Ärzteschaft ausmachen (http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.3.10275.10285), machen sie 31,5% der abwandernden Ärzte (http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.3.10275.10306) aus. Dies Phänomen zeigt, dass von außen in das System hereingekommenen
Menschen flexibler und sensibler auf negative und positive Systemkennzeichen
und –veränderungen reagieren als in dem System selbst sozialisierte Menschen. Dieses
Phänomen des Abzugs hochausgebildeter Akademiker, dem brain drain, steht Deutschland hilflos gegenüber. Denn solange
Ärzte über ihren Tellerrand hinausschauen und bessere Arbeitsbedingungen in andere
Länder erkennen, werden sie ab einer bestimmten Schmerz- bzw. Attraktionsgrenze
abwandern. Bei nicht deutschen Ärzten liegt diese psychologische Grenze
wahrscheinlich niedriger als bei deutschen.
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Überspitzt gesagt könnte man sagen, dass die besten Zuwanderer erst gar nicht nach
Deutschland kommen und unter den restlichen Zuwanderern die besten nach einigen
Jahren in für sie attraktivere Länder gehen. Daher war ich auch nicht erstaunt
zu hören, dass die in der Botschaft getroffenen Arztkollegen allesamt gute (aber
nicht auf dem Niveau der besten Ausländerärzte in den USA) Noten und Referenzen
vorzuweisen hatten.
Wenn sie sich in den USA dann jedoch als
faule oder schlechte Ärzte entpuppen sollten, werden sie einfach wieder nach
Europa zurück geschickt werden, da sind die US-Amerikaner rigoros; aber jetzt erhalten
sie erst einmal eine Chance, sich zu behaupten und das dafür
notwendige zeitlich begrenzte Visum.
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Vom Arztdasein in Amerika
Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Petrulus über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.
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