Gesundheit
Erdbeeren als Auslöser
Montag, 8. Oktober 2012
Bei der letztjährigen
EHEC-Epidemie vergingen noch mehrere bange Wochen, bis – nach einem für
Gurkenproduzenten in Spanien verhängnisvollen Fehlalarm – der Verursacher
gefunden war. Dieses Mal dauerte es nur knapp eine Woche, bis die „sehr
wahrscheinliche“ Ursache für den Ausbruch von akutem Brechdurchfall ermittelt
wurde, an dem bisher 11.200 Kinder aus den östlichen Bundesländern erkrankt
sind.
Wie im letzten Jahr wurden
Fall-Kontroll-Studien durchgeführt, in denen die Speisepläne von erkrankten und
nicht erkrankten Kindern verglichen wurden. In diesem Jahr wurde das
Instrument, das nach einigen Fehlversuchen bei der letztjährigen EHEC-Epidemie
doch zum Ziel geführt hat, rasch und konsequent eingesetzt. In einer Studie
wurden die Schüler zeitgemäß per Email befragt.
Die Fall-Kontroll-Studie
verglich den Speiseplan von erkrankten und nicht erkrankten Kindern. Da in
einigen Orten mehrere Menüs angeboten wurden, fiel der Verdacht schnell auf
einen Erdbeerkompott, der nur einigen Kindern serviert worden war.
Die Odds Ratios der
Untersuchungen lagen schnell in einem Bereich, der kaum Zweifel zuließ. Der
Nachtisch war von verschiedenen Küchen hergestellt worden, doch alle hatten
tiefgefrorene Erdbeeren desselben Großhändlers verwendet. Der letzte Beweis
fehlt noch. Die verdächtigen Noroviren wurden bisher nicht in den Lebensmittel-
und Umgebungsproben gefunden.
Dennoch ist der Fall
symptomatisch für die industrielle Nahrungsmittelproduktion. Preisdruck und
Rationalisierung führen dazu, dass an immer weniger Orten Essen für eine
steigende Zahl von Personen hergestellt werden. Dies kann auf der einen Seite
die Lebensmittelsicherheit erhöhen, da sich Großküchen leichter und
wirtschaftlicher kontrollieren lassen als lokale Kleinküchen.
Niemand kann exakt sagen, wie
häufig in Kinderkrippen, die sich selbst bekochen, Lebensmittelvergiftungen
auftreten. Bei Großbetrieben besteht aber immer die Gefahr, dass kontaminierte
Produkte „durchrutschen“. Scheinbar harmlose Kleinigkeiten wie die quantitativ
sicherlich nebensächlichen Tiefkühlerdbeeren können gleichzeitig Tausende von
Konsumenten schädigen (wobei Norovirusinfektionen in der Regel milde
verlaufen).
Ein anderer Aspekt ist
sicherlich der internationale Handel, der im Fall von Tiefkühlprodukten nicht
nur wegen der langen Transportwege das Risiko erhöht. Es lässt sich auch schwer
zu kontrollieren, ob in den Anbauländern Standards eingehalten werden. Dies
trifft nicht nur auf Lebensmittel zu, sondern auch auf Medikamenten, wie die
Affäre um „gefälschte“ Heparine vor einigen Jahren zeigte. Die Globalisierung
hat mehr Bereiche des täglichen Lebens ergriffen, als die meisten Menschen
ahnen.
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.