Vom Arztdasein in Amerika
Schlechte Zähne
Montag, 15. Oktober 2012
Wer in den USA wohnt und, wie ich es tue, viel mit
armen Menschen Umgang hat, der stellt fest, dass es ihnen auf vielen Gebieten zwar nicht bestens, aber doch gut geht. Sie
bekommen fast immer eine Unterkunft, entweder staatlich oder gemeinnützig
gestellt und bezahlt, haben dank staatlicher Essensgutscheine ausreichend zu
essen und sind via örtlichen Trägern, oft den Gemeinden, mobil mittels
öffentlicher Transportmöglichkeiten. Arme Menschen tragen meistens gute
Kleidung, die sie von gemeinnützigen Organisationen oder einfach Freunden
erhalten haben und haben eine Basismedizinversorgung, entweder durch Medicaid oder bei fehlender Versicherung
durch die Notaufnahmen der Krankenhäuser, denn diese müssen jeden behandeln,
der zur Tür hereinkommt, ob nun krankenversichert oder
nicht.
Aber
an einer Sache kann man in den USA arme Menschen erkennen: Schlechte Zähnen,
d.h. fehlenden Zähnen, fortgeschrittener Karies und schwerer Parodontose. Das
hat natürlich auf der einen Seite mit statistisch überdurchschnittlich
schlechter Zahnhygiene aufgrund niedrigerem sozioökonomischen Status zu tun (z.B.
Divaris K et al, J Oral Maxillofax Surg 2012, 70: 1771-1780). Auf der anderen
Seite damit, dass Zahnärzte in den
USA sehr teuer sind, und sie im Gegensatz zu Krankenhäusern und vielen Ärzten
keine Behandlungspflicht haben und dass Medicaid, also die Krankenversicherung für arme
US-Amerikaner, eben nicht für einen Zahnarztbesuch zahlt.
Wer
also wissen will, ob jemand in den USA arm ist, der möge ihn doch einmal bitten
zu lächeln und zu lachen und dabei ihm in den Mund schauen – bei schlechtem
Zahnstatus weiβ man, wie arm der
Gegenüber in etwa ist.
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.