Vom Arztdasein in Amerika
Der 24-Stundenarzt oder: Alleine im Krankenhaus
Donnerstag, 28. März 2013
Arbeitszeitrichtlinien
für den Facharzt in den USA? Fehlanzeige! Zwar gibt es bei den Assistenzärzten
tatsächlich eine Begrenzung auf maximal 80-Wochenarbeitsstunden und höchtens 24 Stunden am Stück, doch ein Facharzt ist
weitestgehend ohne Arbeitsgrenzen.
Diese fehlende Begrenzung
der Arbeitszeit hat viele Vor- und Nachteile – in den USA sieht man die
Vorteile dieser Arbeitsfreiheit inklusive der höheren Vergütung bei mehr Arbeitsstunden,
die meisten Europäer sehen natürlich eher die Nachteile der Übermüdung. Die
US-Einstellung rührt von einem überraschend altmodischen Arbeitsethos her; man
spuckt sich in die Hände und denkt sich wie ein guter Cowboy: ͈Jungs, das Krankenhaus schmeiβe ich schon alleine, das schaffe ich”.
So bin ich also in der
dritten Aprilwoche eine Woche lang in einem kleinen Landkrankenhaus eingeteilt,
bei dem ich eine Woche lang, 24 Stunden am Tag, also 168 Stunden am Stück, der
einzige Internist bin. Das Krankenhaus ist nicht sehr
groβ, liegt direkt am Meer und Strand, direkt in einer hübschen Kleinstadt an
der Westküste Floridas.
Ich wohne in einem Viersternehotel direkt
in Laufnähe. Dadurch, dass das
Krankenhaus so klein ist, kommen nicht
allzu hochkomplexe Krankheitsfälle ins Haus und eine Verlegung ist immer problemlos in groβe Zentren in Tampa,
Orlando, Gainesville oder Miami möglich. Dennoch gilt:
Es gibt nur mich als Internisten, so leicht die Fälle auch sein mögen.
Wenn jemand um 3 Uhr
morgens mit einer Pneumonie kommt, nehme ich ihn auf und behandele ihn,
einschlieβlich
Intensivstationsarbeit falls notwendig. Wenn einer um 19:30 im alkoholisierten
Koma meine Hilfe braucht, bin ich zuständig. Erleidet jemand eine diabetische
Ketoazidose – erneut bin ich gefragt.
Leserkommentare
Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.