Die derzeitigen Infektionsschutzmaßnahmen in Krankenhäusern
konzentrieren sich zu Recht auf die Händehygiene, da Hände die häufigsten
Überträger von Krankheitskeimen sind. Ein Infektionsrisiko geht in
Krankenhäusern jedoch auch von Gegenständen und Möbeln aus, die häufig von
Händen berührt werden. Dazu gehören Infusionsständer, Bettseitenschienen,
Betttische, Armlehnen von Besucherstühlen, Klingelknöpfe, aber auch
Computermaus und -tastatur.
Diese Gegenstände werden zwar täglich desinfiziert.
Untersuchungen zeigen jedoch, dass direkt nach der Reinigung noch hohe
Bakterienkonzentrationen vorhanden sein können. In einer Studie der Medical
University of South Carolina in Charleston, die an drei renommierten Kliniken
in 16 Zimmern auf Intensivstationen durchgeführt wurden, lag die mikrobielle
Last auf den genannten Gegenständen direkt nach der Routinereinigung noch
28-fach höher als dies Hygiene-Experten für wünschenswert halten. Bei den
Bettseitenschienen lagen die Werte sogar 69-fach über dem Limit.
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Ein Grund dürfte in der Nachlässigkeit des
Reinigungspersonals zu suchen sein, denn nach Beginn der Studie, über die
Michael Schmidt und Mitarbeiter im letzten Jahr im Journal of Clinical
Microbiology (2012; 50: 2217–2223) berichteten, kam es in der Kontrollgruppe zu
einer 64-prozentigen Reduktion der mikrobiellen Last, ohne dass die
Reinigungsvorschriften wesentlich verändert worden waren. Kontrollen können
hier offenbar Wunder wirken.
Noch deutlicher war die Reduktion in der
Interventionsgruppe. Dort ging die mikrobielle Last um 83 Prozent zurück. Dabei
wurden in der Interventionsgruppe die gleichen Desinfektionsmaßnahmen wie in
der Kontrollgruppe durchgeführt. Die weitere Absenkung der mikrobiellen Last
wurde allein durch die Ausstattung der genannten Gegenstände und Möbel mit
Kupferoberflächen erreicht.
Die antiseptischen Eigenschaften von Kupfer sind lange
bekannt. Schon im Altertum wurden Nahrungsmittel häufig in Gefäßen aus Kupfer
oder seinen Legierungen wie Messing oder Bronze gelagert. Vielleicht nicht
zufällig wurde und werden Türgriffe aus Messing hergestellt. Die
antimikrobiellen Eigenschaften von Kupfer wurden in den letzten Jahrzehnten auch wissenschaftlich untersucht. Die Legierungen sind gegen eine Vielzahl von Bakterien aktiv, und sie machen keine Unterschiede zwischen antibiotika-empfindlichen und -resistenten Keimen. Auch Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) und Vancomycin-resistente Enterococcus (VRE) werden abgetötet. Die Copper Development Association, eine Forschungsinitiative der US-Kupferhersteller, hat in den letzten Jahren zahlreiche Legierungen auf ihre antimikrobiellen Eigenschaften testen lassen.
Diese medizinischen Kupferverbindungen wurden auch in der
Studie verwendet. Neben Messing und Bronze kamen Kupfer-Nickelverbindungen zum
Einsatz. Der Kupferanteil lag zwischen 60 und 99,9 Prozent. Die Legierungen
dürften bei den derzeitigen Kupferpreisen nicht ganz billig sein. Doch eine
neue Analyse, die dieser Tage in Infection Control and Hospital Epidemiology
erscheint, belegt erstmals, dass medizinisches Kupfer langfristig die Rate von
nosokomialen Infektionen senkt.
In den „Kupfer-Zimmern“ erkrankten 3,4 Prozent
der Patienten gegenüber 8,1 Prozent in den konventionell ausgestatteten Räumen.
Nimmt man die Patienten hinzu, die mit MRSA oder VRE besiedelt waren (ohne
notwendigerweise zu erkranken) konnte die Rate von 12,3 auf 7,1 Prozent gesenkt
werden. Da jede zusätzliche Klinikinfektion hohe Kosten verursacht, und die
Ausstattung der „Kupferzimmer“ in der Regel eine einmalige Investition ist,
dürften sich die Kosten schnell amortisieren, auch wenn die Autoren hierzu
keine Zahlen vorstellen.
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Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Wasser (und besonders Warmwasser-)rohre aus Kupfer wirkungsvoller die Zahl der Bakterien reduzieren als solche aus Kunststoff. Bleibt zu hoffen, dass dies in den Ausschreibungen fuer Klinikneubauten beruecksichtigt wird.
Gesundheit
Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skuril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbegen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.
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