Gesundheit
USA: Suizid-Anstieg bei Baby-Boomern
Montag, 6. Mai 2013
In den USA geraten immer mehr
Baby-Boomer – die geburtenstarken Jahrgänge vor dem Pillenknick Mitte der 60er
Jahre – in existenzielle Lebenskrisen. Bei Männern über 50 Jahren ist die Zahl
der Suizide im letzten Jahrzehnt fast um die Hälfte gestiegen. Bei Frauen
Anfang 60 kam es sogar zu einer Zunahme um fast 60 Prozent. Frauen nehmen sich
allerdings dreimal seltener das Leben als Männer.
Die Gründe für den Anstieg
sind unklar. Den Centers for Disease Control and Prevention ist es zu einfach,
die Suizid-Welle einfach auf die fortdauernde Wirtschaftskrise zu schieben. Die
Ursachen von Suiziden seien vielschichtig, heißt es in dem Bericht. So könnte
beispielsweise auch die Doppelbelastung, gleichzeitig die Kinder (die Baby Boomer oft erst spät bekommen haben) und ältere Angehörige versorgen zu müssen, viele überfordern. Eine spezielle Lebensphilosophie der 68er könnte ebenfalls ein Faktor sein.
Geändert hat sich auch die
Wahl der Methoden. Zwar benutzen die meisten US-Amerikaner noch immer Feuerwaffen,
vor allem bei den Männern kam es jedoch zu einem Anstieg des Erhängens. Frauen
bevorzugen traditionell Gift. Hier könnte die Liberalisierung der
Betäubungsmittelgesetze eine Rolle spielen. Seit US-Ärzte großzügig potente Opioide
verschreiben dürfen, sind in vielen Haushalten „OxyContin“ oder „Oxycodon“
vorhanden.
Dass die Suizide als gesellschaftliches Problem nicht mehr ignoriert
werden kann, zeigt sich auch darin, dass die Suizide in der
Todesursachenstatistik im Jahr 2009 die Verkehrsunfälle überholt haben. In die
Sicherheit des Straßenverkehrs wurde in den letzten Jahrzehnten viel
investiert. Suizide wurden, da sie selbstverschuldet sind und in der Regel
keine anderen Menschen mit in den Tod ziehen, nicht als Problem wahrgenommen.
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