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Vom Arztdasein in Amerika

eAuszeichung

Dienstag, 25. März 2014

Es war mein erster Arbeitstag in einem Krankenhaus in Minneapolis, Ende März 2014. Am gesamten Krankenhaus wird mit elektronischen Akten gearbeitet – es gibt somit nur noch minimale Mengen an Papier und fast alles wird elektronisch gehandhabt. Entsprechend verlegte ich eine Patientin nicht mittels handschriftlicher Anordnung, sondern mit Hilfe vieler Klicks in die krankenhauseigene Rehaabteilung; sie litt an einer idiopathischen Myelitis transversa. Ihr ging es nach fünftägiger Steroidgabe und fünftägiger Plasmapharese besser, so dass sie wieder laufen konnte und eine intensive Krankenhausrehabilitation benötigte.

Die Patientin wurde also verlegt, aber aus mir unerklärlichen Gründen war sie nach der Verlegung nicht mehr auf meiner elektronischen Patientenliste; wenn jemand nicht hierauf steht, kommt das einer Nichtexistenz sehr nahe. Dabei war mir klar gemacht worden, dass ich meine Patienten auch bei Verlegung, selbst auf die Rehastation des Krankenhauses, einem separaten Flügel des sehr groβen Gebäudekomplexes, noch weiter zu visitieren hatte. Also griff ich zum Telefonhörer und erkundigte mich bei der Rehastationssekretärin, ob ich sie weiterhin visitieren sollte und ob sie doch bitte die Patientin wieder auf meine Liste packen könne. Wie es meine Art ist, war ich höflich, aber zielorientiert.

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Die Sekretärin ging der Sache nach, bestätigte das Versehen und lud die Patientin wieder auf meine Patientenliste – ein sehr einfacer EDV-Vorgang, der ihr nur zwei, drei Klicks abnötigte. Der Vorgang war für mich geklärt.

Abends saβ ich daheim und ging meine elektronische Stationspost durch. Plötzlich sah ich eine „eAuszeichnung“ („e-spot award“) – die Sekretärin hatte mir eine elektronische Auszeichnung gegeben. „Der Arzt hat sich so höflich und besorgt gezeigt, dass er die Patientin auch weiterhin visitieren möchte und mir mit seiner Höflichkeit eine Freude bereitet und das Versehen durch sein Handeln behoben. Deshalb möchte ich ihm eine eAuszeichnung geben“, war ihre Begründung.

Mein Chefarzt erhielt ebenfalls diese Benachrichtigung zugeleitet. Diese banale Auszeichnung erfreute mich – so wird mein Verhalten im Sinne des Krankenhauses beeinflusst.

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Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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