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Vom Arztdasein in Amerika

Ein weiteres Krankenhausprojekt

Mittwoch, 24. September 2014

Vieles hat sich verändert in den letzten Jahren in den USA. Eine Flut an immer neuen Programmen prasselt auf uns Angestellte im Krankenhaus nieder und scheint kein Ende nehmen zu wollen. Es gibt neue Sicherheitsprogramme, neue Effizienzkriterien, neue Zielvorgaben, neue Konferenzen, neue nichtärztliche Berufsfelder et cetera und ad nauseam.

Vor allem all diese uns als innovativ vorgestellten Programme scheinen kein Ende nehmen zu wollen und werden marktschreierisch als brillant, revolutionär oder zumindest innovativ und effizient beschrieben. Deshalb war ich nicht überrascht, dass mir erneut ein neues – innovatives – Programm begegnete: Das Programm trägt den Titel ‘Verpflichtung zum Helfen und Empathie’. In diesem Programm geht es darum, dass Mitarbeiter andere Kollegen bei der Verwaltung melden sollen, die sich durch besonders empathische Handlungen hervorgetan haben.

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Dieses Programm begegnete mir also zum ersten Mal kürzlich im Büro, in Form eines Steckbriefes, den jemand direkt über einem der vielen Rechner von meinen Kollegen und mir aufgehängt hatte. Auf diesem Steckbrief prangte das Farbbild eines sympa­thischen, aber etwas „bubbihaft" wirkenden knapp 25-jährigen Physiotherapeuten.

Sein Name und Beruf standen in großen Buchstaben neben dem etwa handtellergroßen Porträtbild und darunter las ich folgenden Text, der wohl inspirierend wirken sollte: „Während eines Termines stellte der Physiotherapeut S. fest, dass sein Patient lethargisch und verwirrt war, aber trotzdem darauf bestand, in seinem eigenen Auto nach Hause fahren zu wollen.

Da S. um die Sicherheit des Patienten besorgt war, überzeugte er den Patienten einen Verwandten anzurufen, um ihn nach Hause zu bringen. S. blieb weit bis nach Feierabend bis die Tochter des Patienten eintraf und ihn nach Hause fuhr. Dadurch, dass S. aufmerksam war, aktiv mitdachte und zuhörte, erkannte S. eine unsichere Situation und nahm sich die Zeit um für das Wohlergehen des Patienten zu sorgen.”

Unter diesem Text stand dann ebenfalls in großen Buchstaben, die an das lesende Publikum gerichtete Frage: „Haben Sie eine Geschichte, die unser ‘Verpflichtung zum Helfen und Empathie’-Programm veranschaulicht? Dann schreiben Sie uns an”.

Allmählich nehmen diese Programm überhand, und man kann sich vorstellen, dass wir Ärzte in einer Flut an Informationen manchmal zu ersticken scheinen.

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Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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