Gesundheit

Warten auf Ebola

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Die Ebola-Epidemie hat sich in den letzten Wochen in Westafrika unvermindert ausgebreitet. Eine von den European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) veröffentlichte Grafik zeigt, dass die Erkrankungszahlen mit geradezu mathematischer Präzision exponentiell zunehmen. Sofern keine effektiven Gegenmaßnahmen ergriffen werden, werden schon bald Hunderttausende erkrankt sein.

Dass die Epidemie auf Guinea, Liberia and Sierra Leone beschränkt bleibt, ist nicht zu erwarten. Immerhin konnten die Gesundheitsbehörden in Nigeria und dem Senegal nach dem Import durch Einzelpersonen eine Ausbreitung verhindern. Dies dürfte jetzt auch den US-Behörden gelingen. Es ist möglich, dass der Mann, der am 20. September mit einem Linienflug in Dallas landete, weitere Personen infiziert hat. Dass dies bereits auf dem Flug geschah, hält Thomas Frieden, der Leiter der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) für ausgeschlossen.

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Ebola wird nach derzeitigem Kenntnisstand erst ansteckend, wenn die Erkrankung ausgebrochen ist. Der Ebola-Patient hatte am Mittwoch, dem 24. September erste Symptome gezeigt. Am Freitag, dem 26. September, hatte er erstmals medizinische Hilfe aufgesucht, die Diagnose wurde allerdings verpasst. Erst am Montag, als sich die Situation des Patienten weiter verschlechtert hatte, wurde eine Ebola-Infektion vermutet. Seither befindet sich der Patient in einer Klinik in Isolation. Über vier Tage könnte er andere Menschen angesteckt haben. Die CDC hat bereits die Familienmitglieder und andere Personen, die Kontakt mit dem Patienten hatten, identifiziert. Sie werden jetzt über 21 Tage – dem oberen Ende der Inkubationszeit – täglich auf Symptome untersucht, um sie im Fall einer Erkrankung ebenfalls isolieren zu können.

Dass weitere Erkrankungen auftreten, ist nicht auszuschließen. Es wäre allerdings überraschend, wenn die US-Behörden die Kontrolle über die Situation verlieren würden. Immerhin haben sie Erfahrungen mit ähnlichen Viruserkrankungen. Im letzten Jahrzehnt waren ein Patient am Marburg-Virus und vier am Lassa-Virus erkrankt. In allen Fällen konnte eine weitere Ausbreitung verhindert werden.

Auch in Deutschland muss mit einem Import von Infektionen gerechnet werden. Die Patienten würden vermutlich über die Flughäfen München, Frankfurt, Düsseldorf, Berlin-Tegel, Hamburg, Stuttgart oder Hannover einreisen. Sie dürften sich aufgrund der heftigen Symptome schon bald an einen Arzt oder ein Krankenhaus wenden. Die Lektüre der Falldefinition der ECDC ist ratsam.

Das Kardinalsymptom von Ebola ist ein hohes Fieber. Wenn Begleitsymptome wie Kopfschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Blutungen aus Körperhöhlen oder ein Multiorgan-Versagen vorliegen, sollte unbedingt eine Reiseanamnese erhoben werden. Verdächtig ist der Aufenthalt in den drei Endemieländer während der letzten 21 Tage. Nicht ganz auszuschließen ist, dass Patienten sterben, bevor sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Auch bei der Leichenschau von Personen westafrikanischer Herkunft sollte deshalb an die Möglichkeit einer Ebola-Infektion gedacht werden.

Leserkommentare

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Patroklos
am Donnerstag, 2. Oktober 2014, 10:41

Logarithmus

Sieht linear aus, ist aber bei einem halblogarithmischen Auftrag - man beachte die y- Achse - nicht anders zu erwarten. Lässt man die logarithmische Skala weg, wird man erschrocken das tatsächliche Wachstum sehen.
Die Epidemie verhält sich "lehrbuchmässig", so dass am Ende dieses Jahres bereits fast 100000 Infizierte zu erwarten sind, wenn nichts dagegen getan wird.
ViewPoint
am Donnerstag, 2. Oktober 2014, 09:33

lineares wachstum?

zumindest die gezeigte abbildung veranschaulicht ein lineares nicht exponentielles wachstum.

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