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Vom Arztdasein in Amerika

Ölboom zu Ende – Auswirkungen auch beim Arzt

Donnerstag, 9. April 2015

In den Medien wird seit einigen Jahren vom großen Ölboom, der durch die Methode der hydraulischen Stimulation (auf Englisch: „Fracking“) gewonnen wird, viel berichtet. Man erschließt sich das Öl, in dem Wasser, meist mit Sand und chemischen Substanzen versetzt, mit hohem Druck in die Tiefe gepresst und dadurch Risse verursacht werden, aus denen Öl und Erdgas letztlich entweichen und gewonnen werden können.

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Gerade die Bundesstaaten Texas und Norddakota haben diese Methode sehr ausgiebig genutzt und wer das ehemals verschlafene Norddakota kennt, ein Bundesstaat mit knapp 670.000 Einwohnern bei einer Größe, die der Hälfte Deutschlands entspricht, der weiß, dass seit dem Ölboom sich die Verhältnisse verändert haben: Es ist hektischer dort gewor­den und Jahr um Jahr ziehen viele Tausende an Menschen nach Norddakota, wobei die Immobilienpreise, Lebenshaltungskosten aber auch Löhne massiv angestiegen sind.

Diese Menschen brauchen natürlich eine ärztliche Versorgung und wenig überraschend erhielt ich seit Jahren in regelmäßigen Abständen Anfragen dort zu arbeiten. Das gebotene Gehalt und Stundenlohn waren überraschend hoch, und so habe ich im Rahmen meiner Selbständigkeit beschlossen mir eine Arztlizenz für Norddakota zu besorgen.

Die Behörde ist angesichts des Andranges überfordert und somit zieht sich der Prozess seit mehr als einem halben Jahr hin – ich habe alle Dokumente eingereicht, aber noch keine Arztlizenz erhalten. Doch jetzt, kurz bevor ich sie erhalte, erfahre ich, dass Ärzte nicht mehr in so hohem Maße benötigt werden und eine leichte Abwanderung stattzu­finden scheint. Ein Blick in die Arbeitszahlen (http://www.deptofnumbers.com/employment/north-dakota/) bestätigt diesen Eindruck: Während zwischen 2009 und 2014 sehr viele neue Arbeitsstellen entstanden, so hat sich diese Entwicklung seit Anfang 2015 verlangsamt, und es sind, je nach statistischer Berechnung, sogar welche abgebaut worden.

Das wird wohl mit dem gesunkenen Ölpreis korrelieren. Für mich bedeutet es, dass ich viel Zeit und Geld investiert habe, um eine Medizinlizenz für Norddakota zu erhalten, diese aber wohl nicht brauchen werde. Denn der Boom scheint dort zu Ende zu sein, und die vielen neu Zugezogenen werden einer nach dem anderen wohl wieder wegziehen und dann wird dieser Bundesstaat vielleicht wieder das, was er vorher war: Eine verschlafene und wenig hektische Ecke der USA.

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Vom Arztdasein in Amerika

Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Dr. Peter Niemann über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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