Res medica, res publica

Palliativmedizin – für alte und junge Menschen

Mittwoch, 29. April 2015

Mit dem Hospiz- und Palliativgesetz, dessen Entwurf das Bundeskabinett jetzt beschlossen hat, verfolgt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe das Ziel, ein flächendeckendes Angebot an Palliativ- und Hospizleistungen in ganz Deutschland zu schaffen. Die Diskussion über die einzelnen Maßnahmen des Gesetzes wird hoffentlich die Palliativmedizin in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken.

Denn in den vergangenen Monaten war sie beinahe ausschließlich im Zusammenhang mit der Diskussion über Sterbehilfe erwähnt worden. Leider. So notwendig diese schwierige ethische Debatte auch ist, beim Hospiz- und Palliativgesetz muss es darum gehen, wie den betroffenen schwerstkranken Menschen am besten geholfen werden kann.

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Den Bedarf hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina im Februar in einer Stellungnahme zur Palliativversorgung in Deutschland dargelegt. Heute würden in Deutschland wie in anderen Ländern vor allem Tumorpatienten palliativmedizinisch versorgt. Bedarf bestehe aber auch bei Patienten mit anderen Erkrankungen: „Beispielhaft für Krankheitsbilder, die eine Palliativversorgung notwendig machen, sind schwere chronische Lungenerkrankungen, chronische Nieren- oder Herzerkrankungen sowie schwere neurologische Erkrankungen, zum Beispiel ALS; MS, M. Parkinson oder Demenzen.“

In diesem Zusammenhang mahnen die Autoren, nicht nur an die altersgebrechlichen Menschen sondern auch an Kinder und jüngere Menschen zu denken. Pädiatrische Palliativpatienten litten an einer Vielzahl von zum Teil sehr seltenen Erkrankungen, heißt es in der Stellungnahme der Leopoldina. Die Altersspanne reicht vom Frühgeborenen bis um jungen Erwachsenen.

In der jungen Disziplin der pädiatrischen Palliativmedizin gebe es fast gar keine kontrollierten klinischen Studien. Deutschland stehe in der Forschung im Vergleich zu den USA, Großbritannien und Schweden deutlich schlechter da. Die Forschung müsse zunächst die grundlegenden epidemiologischen Fragen klären, wo und von wem die Kinder und Jugendlichen betreut würden. Zudem sei beispielsweise zu klären, wie mit Fremdbeobachtungsinstrumenten chronischer Schmerz bei kleineren Kindern und Patienten, die nicht verbal kommunizieren könnten, zu erfassen seien. Im Interesse der jungen Patienten sollten dies Fragen nicht allzu lange offen bleiben.

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Gesundheit ist eine öffentliche Sache. Das war schon 1907 so, als William Ewart seine Antrittsvorlesung am St. George's Hospital in London unter den Titel "Res medica, res publica" stellte. Wo muss der Staat handeln und wie? Was bedeuten gesundheitspolitische Vorschläge, wenn man sie zu Ende denkt? Gedanken dazu von Heinz Stüwe, Fachjournalist für Wirtschaft, Sozial- und Gesundheitspolitik.

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