Umgang mit Sterben

DOSSIER

Umgang mit Sterben

  • Palliativmedizin: Eine Frage der Würde

    SERIE

    Palliativmedizin: Eine Frage der Würde

    Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wirklich? Bis in den Tod? Die aktuelle Entwicklung der Sterbehilfe-Diskussion lässt jedenfalls Raum für neue Hoffnung – gemessen am Ernst, der zunehmenden Qualität und der Differenziertheit, mit der Politiker wie Meinungsbildner die Debatte zum Thema Sterbehilfe inzwischen führen. Die anfängliche Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit ... »
  • Palliativmedizin: Medikamente, Pflege und Trost

    SERIE

    Palliativmedizin: Medikamente, Pflege und Trost

    Im Mittelpunkt der Palliativmedizin stehen die Bedürfnisse der schwerstkranken und sterbenden Menschen und ihrer Angehörigen. Sie ist nicht auf Hightech-Medizin ausgerichtet, aber dennoch lebensbejahend – eben die andere Therapie. Hilfe beim Töten nennt Franz Müntefering, ehemaliger Bundesminister und Fraktionsvorsitzender der SPD, das, worüber gerade in Ärzteschaft ... »
  • Interview mit Dr. med. Martina Wenker und Prof. Dr. med. Friedemann Nauck: Die Medizinethik im Vordergrund

    SERIE

    Interview mit Dr. med. Martina Wenker und Prof. Dr. med. Friedemann Nauck: Die Medizinethik im Vordergrund

    BÄK-Vizepräsidentin Martina Wenker und Palliativmediziner Friedemann Nauck bekräftigen die Grundsätze zur ärztlichen Sterbebegleitung und konkretisieren die Möglichkeiten einer fürsorglichen Medizin an einer Serie von Fallbeispielen. Frau Dr. Wenker, Herr Prof. Nauck, warum ... »
  • Kasuistik: Beenden einer Transfusionsbehandlung bei Patientin mit infauster Prognose

    SERIE

    Kasuistik: Beenden einer Transfusionsbehandlung bei Patientin mit infauster Prognose

    73-jährige wache, orientierte Patientin in reduziertem Allgemeinzustand bei fortgeschrittenem metastasiertem Kolonkarzinom mit rezidivierenden Blutungen und Anämie bei fehlender therapeutischer Option. Aufnahme in die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) zur Mitbehandlung bei ... »
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Politik

Gröhe fordert bundesweiten Ausbau der Palliativmedizin

Dienstag, 20. Januar 2015

Bonn - Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe (CDU) sieht im Ausbau der Begleitung von Sterbenden die Zukunft der Palliativ- und Hospizmedizin. "Das erste, was wir Menschen schulden, ist eine Begleitung bis zur letzten Minute", ... »

Politik

Doch keine Sterbehilfe für belgischen Straftäter

Dienstag, 6. Januar 2015

Brüssel – Wenige Tage vor der geplanten tödlichen Injektion entschieden sich die Ärzte von Frank Van Den Bleeken für das Leben – und gegen den Tod. Der belgische Mörder und Vergewaltiger wird vorerst nicht mit Sterbehilfe aus dem ... »

Ausland

Aktive Sterbehilfe für belgischen Sexualstraftäter

Montag, 5. Januar 2015

Brüssel – Ein seit über 30 Jahren inhaftierter belgischer Sexualstraftäter bekommt laut einem Medienbericht bald aktive Sterbehilfe. Die tödliche Injektion sei für den 11. Januar im Gefängnis von Brügge geplant. Das berichtete die ... »

Ausland

Sterbehilfe: Französischer Arzt aus Kammer ausgeschlossen

Dienstag, 30. Dezember 2014

Paris – Das oberste französische Verwaltungsgericht hat den Ausschluss des Mediziners Nicolas Bonnemaison aus der Ärztekammer des Landes wegen aktiver Sterbehilfe bestätigt. Die Schwere der Verfehlungen gegen geltendes Recht ... »

Ausland

Oberstes irisches Gericht: Hirntote Schwangere darf sterben

Montag, 29. Dezember 2014

Dublin – Im Streit um lebensverlängernde medizinische Maßnahmen für einer hirntote Schwangere hat Irlands oberstes Gericht ein Abschalten der Maschinen für rechtens erklärt. Das Gericht urteilte damit am Freitag im Sinne der ... »

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Glossar

Aktive Sterbehilfe/Tötung auf Verlangen

Tötung auf Verlangen liegt laut Strafgesetzbuch (StGB) § 216 vor, wenn jemand durch das „ausdrückliche und ernstliche Verlangen“ des Getöteten zur Tötung bestimmt wurde und den Tod gezielt aktiv herbeiführt. Die Tötung auf Verlangen ist in Deutschland verboten, in den Niederlanden („Euthanasie“), Belgien und Luxemburg dagegen unter bestimmten Bedingungen straffrei gestellt.

(Bei-)Hilfe zum Suizid

Beihilfe zum Suizid leistet, wer einem Menschen, der sich selbst tötet, dabei Hilfe leistet. Diese Hilfe kann vielfältige Formen haben, sie kann zum Beispiel darin bestehen, jemanden zu einer Sterbehilfeorganisation im Ausland zu fahren, Medikamente zu besorgen, einen Becher mit einer tödlichen Substanz zuzubereiten und hinzustellen. In Abgrenzung zur „Tötung auf Verlangen“ kommt es darauf an, dass der Hilfeleistende das Geschehen nicht in der Hand hält. Den entscheidenden Akt des Suizids muss der Sterbewillige selbst vollziehen, indem er das Getränk mit der tödlich wirkenden Substanz austrinkt, den tödlichen Schuss abfeuert. Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland straflos.

Ärztlich assistierter Suizid

Rechtlich gesehen ist auch der ärztlich assistierte Suizid zuerst einmal eine Beihilfe zum Suizid und als solche straflos. Unter Umständen können in dieser Konstellation Abgrenzungsprobleme entstehen, die bei anderen Menschen nicht auftreten, weil der Arzt eine Behandlungspflicht haben könnte, die andere Menschen nicht haben und deren Vernachlässigung zum Beispiel dazu führen könnte, einen ärztlich assistierten Suizid als Totschlag durch Unterlassen zu bewerten. In der Regel und mit Blick auf die neueren gesetzlichen Regelungen zu Patientenverfügungen und zur Bedeutung des mutmaßlichen Willens stehen diese Bedenken aber nicht im Zentrum der Diskussion.

Seine besondere Bedeutung kann der ärztlich assistierte Suizid dadurch gewinnen, dass Ärzte hier ihre besonderen ärztlichen Fähigkeiten nutzen, um dem Sterbewilligen den Weg professionell und damit wirksam zu ebnen. Da Ärzte ein eigenes Berufsrecht haben, ist der ärztlich assistierte Suizid auch aus diesem Blickwinkel zu betrachten. Die (Muster-)Berufsordnung schlägt vor, den ärztlich assistierten Suizid in den verbindlichen Regelungen auf Ebene der Landesärztekammern zu untersagen.

Indirekte Sterbehilfe

Medikamentengabe, bei der durch Nebenwirkungen ein nicht auszuschließender vorzeitiger Tod in Kauf genommen wird. Wegweisendes Urteil des BGH 1996: Es ist erlaubt oder sogar geboten, schmerzlindernde Medikamente auch in einer Dosis zu verabreichen, die als unbeabsichtigte Nebenwirkung die Sterbephase verkürzen könnte. Gleiches gilt bei Nebenwirkungen anderer Maßnahmen. Ähnlich verlautbarte schon Papst Pius XII. 1957.

Durch den sachgerechten, symptomkontrollierten Einsatz von Opioiden („Morphium“) ver-bessert sich die Lebensqualität. Durch die Entlastung von Symptomen verlängert sich die Lebenszeit.

Problem 1: Unsicherheit verhindert häufig den rechtzeitigen Einsatz der Medikamente. Problem 2: Irreführend, da eine symptombezogene Indikation nicht auf Verkürzung des Lebens abzielt.

Mutmaßlicher Wille

Ist kein Patientenwille eruierbar, muss der mutmaßliche Wille herausgefunden werden, um eine dem – nun mutmaßlichen – Willen des Patienten entsprechende Entscheidung treffen zu können (§1901a (2) BGB).

Patientenwille

Der Patientenwille kann in jeder beliebigen Form geäußert – z.B. als schriftlich erstellte Patientenverfügung oder als mündlich erklärter Behandlungswunsch – und jederzeit formlos widerrufen werden. Der Patientenwille ist für jeden Behandler verbindlich. Problem: Ohne schriftliche Verfügung, ist dann der mutmaßliche Wille i. d. R. schwieriger herauszufinden.

Patientenverfügung

Schriftlich oder mündlich nach 1901a BGB zulässig: Vorausverfügter Wille eines Menschen für den Fall, dass dieser seinen Willen zu gegebener Zeit nicht mehr äußern kann, wenn Entscheidungen, z.B. zu indizierten Therapien getroffen werden müssen (§1901a (1) BGB).

Sedierung

Beruhigung. Dabei erhält der Patient beruhigende Medikamente (Schlafmittel, Psycho-pharmaka, Betäubungsmittel) in einer ausreichenden Dosis, damit er ruhiger wird, leicht schläft, aber erweck- und ansprechbar bleibt. Eine Sedierung kann bei krankhafter Angst und Unruhe nötig sein. (Siehe auch palliative Sedierung).

Palliative Sedierung

Unter palliativer Sedierung wird die Gabe von sedierenden Medikamenten auf Wunsch des Patienten zur Minderung des Bewusstseins verstanden, um sonst unbehandelbare Be-schwerden (Atemnot, Schmerzen, Angst, Unruhe, Übelkeit u.v.m.) am Lebensende in einer ethisch akzeptablen Weise zu lindern und kontrollieren zu können. Hierbei kann der Pati-ent auch in den Tod hineinschlafen. Bei lege artis durchgeführter palliativer Sedierung wird durch diese Symptomkontrolle Sterben nicht beschleunigt. Die palliative Sedierung kann sehr kurz dauern oder viele Tage erforderlich sein. Problem: vermeintliche Nähe zu aktiver „Sterbehilfe“. Während bei aktiver „Sterbehilfe“ das Ziel verfolgt wird, das Leben des Patienten durch die Verabreichung einer deutlich über dem therapeutischen Bereich dosierten Substanz vorzei-tig zu beenden, liegt bei der palliativen Sedierung das Ziel in der Symptomkontrolle und Leidenslinderung durch das Minderung des Bewusstseins mit einer angemessen do-sierten, wiederholten Medikamentendosis. Wichtig ist eine gute Dokumentation. Tritt der Tod dabei ein, entspricht dies dem natürlichen Sterbenlassen.

Terminale Sedierung

Teils wird der Begriff „terminale“ synonym zu „palliative“ Sedierung verwendet, teils aber auch für eine nicht akzeptable Form der Tötung. Dabei bestünde die Intention zu einem beschleunigten Herbeiführen des Todes. Es wird nicht symptomkontrolliert sediert, son-dern so tief, dass sich die Atmung des Patienten verlangsamt bis sie ganz aufhört. Problem: Für Nicht-Experten ist die terminale schwer von der palliativen Sedierung zu unterscheiden.

Therapiezieländerung/-verzicht/-abbruch/Sterbenlassen

Nicht strafbar sind das Unterlassen, Begrenzen oder Abbrechen (Beenden) lebenserhaltender oder lebensverlängernder Maßnahmen, sofern dies dem Willen des Patienten entspricht. Dazu zählt insbesondere der Verzicht auf künstliche Ernährung, Flüssigkeitszufuhr, Medikamentengabe, Beatmung, Intubation, Dialyse, Reanimation beziehungsweise deren Abbruch vor Eintritt des Hirntodes. Der Begriff „Therapiezieländerung“ fokussiert darauf, dass nicht grundsätzlich auf alle therapeutischen Maßnahmen verzichtet wird, wie der Begriff des Behandlungsabbruchs nahelegt; vielmehr erfolgt gezielt eine Korrektur hinsichtlich des Einsatzes einer spezifischen einzelnen Therapie, während gleichzeitig selbstverständlich versucht wird, zu erreichen, dass der Patient nicht leidet.

  • Meinung

    „Die Bitte um einen Gift­cocktail ist meistens ein Schrei nach Zuwen­dung. Sehr oft kann man Menschen, die keine Aussicht auf Heilung haben oder unter unerträglichen Schmerzen leiden, durch Psycho­therapie, Pallia­tiv­medizin und Schmerz­medizin helfen, so dass sie sich nicht mehr umbringen wollen.“

    Frankfurter Allgemeine Zeitung Juni 2011

    Frank Ulrich Montgomery (Präsident der Bundesärztekammer)

  • Meinung

    „…wir Ärzte müssen respektieren, dass in unserer Gesellschaft das Selbstbestimmungsrecht ein hohes Gut ist und dass niemand gegen seinen Willen behandelt werden darf.“ sueddeutsche.de Juni 2009

    Gian Domenico Borasio
    (Lehrstuhl für Palliativmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität München)

  • Meinung

    „Es geht darum , Palliativmedizin zu den Kindern und ihren Familien zu bringen und nicht umgekehrt.“
    Deutsches Ärzteblatt September 2004

    Monika Führer (Stiftungsprofessorin für Kinderpalliativmedizin, LMU München)

  • Meinung

    „Wir Ärztinnen und Ärzte treten dafür ein, Schwerstkranken und Sterbenden ein Sterben unter würdigen Bedingungen zu ermöglichen und vor allem Bestrebungen nach einer Legalisierung der Tötung auf Verlangen eine Perspektive der Fürsorge und des menschlichen Miteinanders entgegenzusetzen.“ Deutsches Ärzteblatt September 2010
    Jörg Dietrich Hoppe
     (ehemaliger Präsident der Bundesärztekammer)

  • Meinung

    „Es gibt Grenzen des Selbst­bestimmungsrechts, vor allem am Lebensende. Das Tötungsverbot widerspricht der Beihilfe zum Suizid und der Tötung auf Verlangen.“ Deutsches Ärzteblatt April 2011

    Robert Zollitsch (Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz)

  • Meinung

    "Der Berufsstand der Ärzte ist auf das Leben ausgerichtet und ist aufgrufen, Menschen in einer schwierigen Situation beizustehen – auch wenn sie aus dem Leben scheiden wollen" Deutsches Ärzteblatt April 2009

    Jochen Taupitz (Medizinrechtler und Mitglied im Deutschen Ethikrat)
  • Meinung

    „Lebenszwang herrscht, wenn das Leben mehr geschützt wird als der Patientenwille."
    Süddeutsche Zeitung Mai 2011

    Michael de Ridder (Chefarzt der Rettungsstelle am Berliner Urbankrankenhaus)

  • Meinung

    „Wenn ein Leben ans Ende gekommen ist, sollte man es nicht künstlich verlängern.”
    TV-Sendung Beckmann Dezember 2009

    Nikolaus Schneider (Vorsitzer der Evangelischen Kirche Deutschlands)

  • Meinung

    „Nebenbei kann man Palliativmedizin nicht erforschen und lehren” Rheinisches Ärzteblatt Januar 2010

    Raymond Voltz (Direktor der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin der Universität zu Köln)

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