Situation junger Aerztinnen und Aerzte in Deutschland
Seit geraumer Zeit verfolge ich dieses Forum mit Interesse aus den USA. Auswanderung wird in vielen Beitraegen als Moeglichkeiten fuer junge Kolleginnen und Kollegen angegeben und begruesst, der derzeitigen Arbeitssituation zu begegnen. Gleichzeitig ist der Tagespresse zu entnehmen, dass hochqualifizierte Kraefte in Deutschland fehlen und deren Einwanderung gefoedert wird. Wie daheim mit den Nachwuchs im medizinischen Bereich umgegangen wird, spottet fuer mich jeder Beschreibung und ist eine Schande fuer die gesamte Aerzteschaft, insbesondere ihrer Leitungskraefte.
...ganz ehrlich und ohne jede Ironie! Unterstützung aus den USA (und ein ganz kleines bißchen von "down under"). Wer hätte das gedacht? Wir sind international!
Naja, Herr Kollege Wagner, so viel besser ist es in den USA doch nun auch wieder nicht. Auch dort gibt es den Bereitschaftsdienst, der in den meisten Faellen dazu aber im Grundgehalt inbegriffen ist und nicht einmal extra verguetet wird. Mann muss den Kollegen hier auch nicht staendig von jenseits der Grenzen vorhalten, dass dort alles soviel besser sei. Und wenn ich eine Fachrichtung wie die Innere nehme, kann der deutsche Facharzt sicherlich einiges mehr als sein US Pendant. Der Schrei nach Einwanderung allerdings ist doch nur der Ruf nach Lohndruck, da muss man sich glaube ich auch wieder nichts vormachen... h
kollege, bin nun schon 6 jahre hier, habe internship und residency und fast ein fellowship durch. habe hier mehr geroedelt als in D'land und manche nacht gedacht, es sei die letzte. Aber erfreuter gearbeitet. Erstens hat man einen Vertrag fuer eine komplette Ausbildung, die innerhalb einer definierten Zeit zum Ende fuehrt. Kein Chef kann Vertraege verhandeln oder aehnliches. Alle Weiterbilder muessen ein Weiterbildungsprogram bereithalten. Man weiss also, das man montags um 12 eine Innere-Weiterbildung hat. Die Weiterbildungsstellen werden von der nationalen Akkreditierungsstelle alle 3 Jahre kontrolliert. Die Assistenten duerfen dabei ohne "Aufsicht" mit den Kontrolleuren sprechen. Das hat weitreichende Konsequenzen. Wer gute residents ausbildet, bekommt sie in gute Fellowships untergebracht. Wer residents in gute fellowships bekommt, der kann bessere residents rekrutieren.USW.. Dazu kommt, das die verteilung der residency(assistenstellen) einmal im jahr durch ein nationales computerisiertes verfahren erfolgt. man kann sich also alle moegliche positionen ansehen. ohne druck, sich sofort zu entscheiden. Ja, oft arbeitet man lang und laenger. Aber man sieht ein ende und die senior residents haben ein grosses interesse, einem zu helfen. ein assistent, der mehr kann, kann einen mehr helfen als einer, der nur dumm dasteht. Dazu kommt die horizontale Hierarchie in der Professorebene, die ein -oben-unten gefuehl weitgehend verhindert. Das alles liesse sich auch in D-land machen. Wie? Es beduerfe vermutlich einer Neutronenbombe. Bis dahin, viel spass, haut euch die ellenbogen in die zaehne bis das zahnfleisch blutet. keine diese aenderungen kommt von unten wenn der fisch von oben stinkt und politisch fest verankert ist. das laesst sich vermutlich nur ueber einen legislativen ansatz veraendern. Das arbeitsgesetz im staat new york fuer assistenten wurde uebrigens nur deshalb geaendert, weil die tochter eines journalisten von einem uebernaechtigten assitenten fehldiagnostiziert wurde und starb. Der Druck, der von aussen auf das system kam und das aehnlich reagierte wie in D'land -das war schn immer so, das muss der mensch abkoennen, nach 30 stunden muss man noch eine ex-lap einlegen koennen-, dieser druck schuf eine legislative, ie bis heute fuer das land USA einen meilenstein darstellt. Da hatte dreissig jahre arbeit von innen NICHTS getan. Die amerikanische, weniger autoritaetsglaeubige mentalitaet war da schon weiter und da konnte kein prof kommen und versuchen einen 40stunden arbeitstag schoenzureden. Aber solange der HERR Professor hier noch immer auf wasser wandelt, und oft darin ertrinken wuerde, fragte man ihn nach Evidence based medicine, solange also die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Ordung weiterbesteht, weil sie nicht staendig hinterfragt wird, solange wird es weitergehen wie bisher. Uebrigens haben Patienten, die fuer Ihre Behandlung oft selbst bezahlen, mehr zur untergrabung dieses systems beigetragen als alles andere. DAHER haut ab, denn schon die brueder grimm wussten ETWAS BESSERES ALS DEN TOD FINDEN WIR UEBERALL
und hier in GB liegt das Problem nochmal woanders.....
Tja... dieses Forum habe ich zwar heute erst gefunden, aber nachvollziehen kann ich es trotzdem alles. War doch gar nicht so schlecht, die Idee, aus Deutschland abzuhaun. Naja. Wirklich? Rein STUNDENMÄSSIG wird hier in England sicher mehr malocht. Bis letztes Jahr hat man Arbeitsverträge mit einer OFFIZIELLEN Wochenarbeitszeit von 68 Stunden noch bedenkenlos unterschrieben. Aber: 14 Tage bezahlten Study Leave im Halbjahr, und sogar die Weiterbildungskurse (incl. Anreise und Unterkunft) werden bezahlt. Und die Chefs müssen nachweisen, dass sie uns auch wirklich weiterbilden, sonst Beule.
Ärzteschaft im Umbruch: Die Ausbeutung der Arbeitskraft und die Überlastung insbesondere junger Ärztinnen und Ärzte hat das Deutsche Ärzteblatt in mehreren Beiträgen thematisiert. Auch auf dem 104. Deutschen Ärztetag in Ludwigshafen war es ein zentrales Thema. Der Druck dürfe nicht weiter von oben nach unten weitergereicht werden, hieß es. Dieses Forum soll den Ärzten als Plattform für den persönlichen Erfahrungsaustausch dienen. Wir bitten, dabei auf persönliche Verunglimpfungen und insbesondere auf Namensnennungen zu verzichten. Die Redaktion behält sich vor, derartige Beiträge zu entfernen