Prof. Dr. Dr. Lippert fordert eine Reformierung des Anatomiekurses. In der Sache möchte ich gar nicht widersprechen. Allerdings schießt er in seiner Argumentationsweise über das Ziel hinaus: Dass er meint, Studierende wären wegen im "Lippert" fehlender, an der Leiche aber vorhandener Metastasen "verwirrt", ist eher komisch; etwas eigenartig mutet der Gedanke an, Studierende würden mit ihren Patienten später "ebenso sorglos" umgehen wie mit der Leiche; völlig unpassend ist die Aussage, von Ärzten in Weiterbildung könne man ein reiferes Verhalten erwarten als von Studienanfängern; so würde der Pietät gegenüber den Körperspendern besser entsprochen. Es ist mir, als Medizingrundstudiumabsolvent und Ärztinnengatte, ein Bedürfnis, der Andeutung, Studienanfänger würden in irgendeiner Form sorglos und/oder pietätslos mit Leichen umgehen, zu widersprechen. Sowohl die Erfahrungen von Ärzten in meinem Bekanntenkreis als auch die Erfahrungen meiner Frau als auch meine persönlichen Erfahrungen am Anatomischen Institut in Greifswald hinsichtlich der Pietät gegenüber den Körperspendern sind geprägt von reifem Verhalten, großer Sorgfalt und hohem Respekt. Selbstverständlich kann ich mir, sicher im Gegensatz zu Prof. Dr. Dr. Lippert, kein Urteil über die Zustände im Institut in Hannover erlauben. Dennoch will ich nicht glauben, dass es an anderen Universitäten – die Medizinische Hochschule in Hannover eingeschlossen – anders war oder ist.