Eine Art Traum - Gesundheitszentrum nach britischem Vorbild
Liebe Kollegen, Das deutsche und das britische Gesundheitssystem sind bekanntlich ziemlich verschieden. Beide haben sie ihre Vor- und Nachteile. Wenn ich die Gerüchteküche in Deutschland richtig verstehe, sollen Ärtzte demnächst selbst Verträge mit den Krankenkassen abschließen können. Wäre es in diesem Zusammenhang möglich, als eine Art Modellversuch in Deutschland eine Primärarztpraxis nach britischem Vorbild aufzubauen?
Vorteile für die Krankenkassen: Das Projekt wäre kostengünstiger als das derzeitige deutsche System und böte eine gute integrierte und gut organisierte Patientenversorgung. Die Patienten wären mindestens genauso gut versorgt wie im bisherigen System. Für die beteiligten Kollegen böte sich eine Chance echter kollegialer Zusammenarbeit als Teil eines Teams.
Wie ich mir das Ganze vorstelle? Ein Team aus mehreren Ärzten, Krankenschwestern, Arzthelferinnen, mindestens einer Krankengymnastin und Hebamme, einem "Manager" mit betriebswirtschaftlichem Kenntnissen, und mehreren Verwaltungskräften mietet entsprechende Räumlichkeiten und schließt mit den Krankenkassen einen Vertrag ab. Dieser Vertrag garantiert den Krankenkassen die hausärztliche Versorgung von X Patienten zu einem Festpreis von X Euro pro Quartal. Diese Pauschale wird fällig, egal ob der Patient in diesem Quartal in der Praxis auftaucht oder nicht. In Deutschland besteht bekanntlich freie Arztwahl. Jeder Patient schließt also mit der Krankenkasse (die ihm dafür z.B. einen Rabatt gewähren kann)und mit der Praxis einen bindendn Vertrag, den er jederzeit selbstverständlich wieder kündigen kann. Auch die Praxis kann diesen Vertrag kündigen, wenn der Patient wiederholt grob dagegen verstößt. In diesem Vertrag verpflichtet sich der Patient, jedesmal, wenn er medizinische Hilfe benötigt, sich zunächst an DIESE (ich bezeichne sie im folgenden mal als "unsere") Praxis zu wenden. Es liegt dann in "unserem" Ermessen, welche Diagnostik und Therapie und ggf. Überweisung wir empfehlen. Wir sind natürlich daran interessiert, unsere Patienten möglichst "wenig" zu sehen und werden ihnen z.B. empfehlen, bei banalen Erkältungskrankheiten auf Hausmittel zurückzugreifen. Da wir ausufernde Diagnostik nicht extra abrechnen können, werden wir wenn möglich darauf verzichten. In dem "Patientenvertrag" ist weiterhin festgeschrieben, daß Konsultationen grundsätzlich in der Praxis stattfinden. Wenn ein Hausbesuch gefordert wird, steht es im Ermessen des Arztes, zu entscheiden, ob dies angemessen ist. Die Praxis ist Montags bis Freitags von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Wer innerhalb dieser Zeit anruft, erhält entweder einen Behandlungstermin, oder - wenn alle Termine vergeben sind - wird innerhalb einer Stunde vom diensthabenden Arzt zurückgerufen. In dem Telefongespräch entscheidet sich, ob ein Notfalltermin oder ein Hausbesuch angemessen sind oder ob der Patient mit der Telefonberatung zufrieden ist. Grundsätzlich wird jedem Patienten garantiert, innerhalb von 48 Stunden einen Termin zu bekommen, wenn dies als notwendig erachtet wird. Die Praxis garantiert, daß jeden Tag X Behandlungstermine ("slots") bereitgestellt werden. Was die Versorgung nachts und am Wochenende betrifft, so ist es die Verantwortung der Krankenkassen, einen Notdienst zu organisieren, an welchem "wir" eventuell bereit sind, uns zu beteiligen, aber das ist zunächst einmal nicht Teil des Vertrages. Der "Vertrag" beinhaltet einen fest umrissenen Katalog von Leistungen, welcher von der Praxis zu erbringen ist. Dies umfasst eben die wesentlichen Hausärztlichen Grundleistungen, aber auch z.B. Pflegeleistungen (durch die Krankenschwestern), Krankengymnastik und evtl. Schwangerenversorgung (durch die Hebamme). Extraleistungen (z.B. erweiterte Diagnostik, chirurgische Eingriffe) werden getrennt abgerechnet. Außerdem sind die Krankenkassen bereit, "Bonus"-Zahlungen zu leisten, wenn von der Praxis bestimmte, gemeinsam ausgehandelte Qualitätskriterien erfüllt werden.
Dieses Modell entspricht in ganz groben Zügen dem britischen Modell, mit den Änderungen, die im nächsten Jahr gemäß dem "New Contract" in Kraft treten.
Sicherlich läßt sich Vieles nicht Eins zu eins übertragen und es sind noch viele Fragen offen.
Was mich interessieren würde: Wäre irgendjemand von Ihnen bereit, so ein Projekt einmal etwas konkreter zu entwickeln? Ich denke insbesondere auch an Kollegen, die Kontakte zu politischen Gremien oder Lehrstühlen für Allgemeinmedizin haben. Wie sieht es prinzipiell mit der Durchsetzbarkeit aus? Ich freue mich auf jeden Fall über Antworten - gerne auch per Privat-mail oder telefonisch. Viele Grüsse, burkhard S.
...die Poliklinik. Wirtschaftlich sicher sinnvoll, fuer den Patienten von Vorteil, mit den aktuellen Machthabern im Medizinisch Industriellen Komplex aber nicht machbar.
X Patienten zu einem Festpreis von X Euro pro Quartal.??????????
X Patienten zu einem Festpreis von X Euro pro Quartal. Diese Pauschale wird fällig, egal ob der Patient in diesem Quartal in der Praxis auftaucht oder nicht.
eben genau das funktioniert nicht. Ist dein historisches Gedächtnis denn so kurz?
Bequeme Versorghungsjobs mit langen Wartelisten und die organisierte Verantwortungslosigkeit (Bahro) werden die Folge sein. Es lebe die Vetterleswirtschaft und die vielen Teuros, die unter der Hand wirkliche Behandlung erst ermöglichen werden.
Dre beitrag spricht nicht unbedingt für Deine eigene Berufsaufassung...!Merke: es gibt immer noch Kolleginnen und Kollegen, die Ihren Job gerne machen und nicht bei einer pauschalisierten Vergütung in eine reine Versorgungsmentalität fallen würden! Was haben wir denn derzeit bei Deckelung des Budgets und schwankendem Punktwert über Jahre de facto sonst, wenn nicht im Endeffekt eine pauschale Vergütung?? Und den Inhalt des letzten nebulösen Absatzes musst Du mir erklären... Schwafe, schwfel, schwafel!!
Die medizinischen Versorgungszentren bieten Ärzten die Möglichkeit, im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses in der ambulanten Versorgung tätig zu sein, ohne die ökonomischen Risiken einer Niederlassung tragen zu müssen. Ist der Arztberuf aber dann noch einer freier Beruf?