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am Samstag, 12. März 2005 um 23:52
 

Gedicht der Woche

Ein Mensch wähnt manchmal ohne Grund,
Der andre sei ein Schweinehund,
Und hält für seinen Lebensrest
An dieser falschen Meinung fest.
Wogegen, gleichfalls unbegründet,
Er einen Dritten reizend findet.
Und da kein Gegenteil erwiesen,
Zeitlebens ehrt und liebt er diesen.
Derselbe Mensch wird seinerseits 
Und das erst gibt der Sache Reiz
Durch eines blinden Zufalls Walten
Für einen Schweinehund gehalten,
Wie immer er auch darauf zielte,
Daß man ihn nicht für einen hielte.
Und einzig jener auf der Welt,
Den selber er für einen hält,
Hält ihn hinwiederum für keinen.
Moral: Das Ganze ist zum Weinen.

(Eugen Roth, Ein Mensch, 1935.)

am Dienstag, 15. März 2005 um 01:17
 

Mitternachtsgedanken

BRIEFE, DIE IHN NICHT ERREICHTEN...

Ein Mensch denkt oft mit stiller Liebe
An Briefe, die er gerne schriebe.
Zum Beispiel: »Herr! Sofern Sie glauben,
Sie dürften alles sich erlauben,
So teil ich Ihnen hierdurch mit,
Daß der bewußte Eselstritt
Vollständig an mir abgeprallt
Das weitere sagt mein Rechtsanwalt!
Und wissen Sie, was Sie mich können?..«
Wie herzlich wir dem Menschen gönnen,
An dem, was nie wir schreiben dürfen,
Herumzubasteln in Entwürfen.
Es macht den Zornigen sanft und kühl
Und schärft das deutsche Sprachgefühl.

Quelle: ISBN 3-446-13811-0
am Samstag, 19. März 2005 um 23:59
 

Jetzt ist Frühlingsanfang!


Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste tiefste Tal:
Nun armes Herz, vergiss der Qual,
Nun muss sich alles, alles wenden.

Verfasser: Ludwig Uhland

Ludwig Uhland wurde am 26.4.1787 in Tübingen geboren. Er studierte 1802-1808 Jura und Sprachen in Tübingen. Gemeinsam mit K. Maier und J. Kerner stellte Uhland noch während seiner Studienzeit dem Morgenblatt für gebildete Stände ein handschriftliches "Sonntagsblatt für ungebildete Stände" entgegen. Während eines Studienaufenthalts in Paris (1810/1811) beschäftigte er sich mit alten französischen und deutschen Handschriften. 1810-1814 war er Sekretär im Justizministerium, sodann Rechtsanwalt in Stuttgart. Staatsbeamter konnte er aber nicht werden, da er es ablehnte, dem König, der 1805 widerrechtlich den Landtag aufgelöst hatte, den Eid zu schwören. Er wurde 1829 Professor für deutsche Sprache und Literatur in Tübingen. Er legte 1838 seine Professur nieder und arbeitete als Privatgelehrter. Uhland starb am 13.11.1862 in Tübingen.
Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/autoren/Druckversion_uhland.htm
am Sonntag, 20. März 2005 um 17:36
 

so ein ...

... Scheiss.
Unterhaltungsprogramm für Latzhosenträger und Stubenhocker.
am Sonntag, 20. März 2005 um 19:41
 

Fingerspitzengefühl



Gefühl kann ganz verschieden sitzen:
Der hat es in den Fingerspitzen,
Bei jenem aber ists verzogen
Hinauf bis an die Ellenbogen.
Es ist zwar dann nicht mehr ganz fein,
Doch soll es sehr von Vorteil sein.

Quelle: ISBN 3-7254-1346-0
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