Hat Jemand eine Vorstellung davon wie das Dasein als niedergelassener Psychiater ist - also Tätigkeitsspektrum und Einkommen? Lohnt sich die Facharztausbildung auch langfristig?
Habe mir monatelang den Kopf zerbrochen, wie ich als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie mich in D niederlassen kann und ob sich das rentiert. Die entscheidende Frage ist, was macht der ambulante Psychiater in Zukunft?
Die richtig kranken Patienten brauchen viel und teuere moderne Psychopharmaka, eine Korrespondenz mit Angehörigen und Betreuern und ggf. auch noch strukturierende, pflegerische Maßnahmen. Dies ist für einen niedergelassenen Psychiater unrentabel und viel zu aufwendig, da ist das Medikamentenbudget schnell überschritten und die häufigen und intensiven Kontakte können nicht vernünftig abrechnet werden. Solche Patienten müssen von Institutsambulanzen versorgt werden, die von den Psychiatrischen Kliniken in letzter Zeit auch zunehmend ausgebaut wurden.
Psychiatrische Notfälle? Nein, das will man als Niedergelassenen nun auch wieder nicht, mitten aus einem Gespräch gerissen werden und losdüsen ist geschäftsschädigend. Außerdem machen das die Notärzte oder der Notdienst in Kooperation mit der Polizei auch ganz gut. Gesundheitsfürsorgende Maßnahmen? Mal zu einer dementen Oma fahren und ein Betreuungsgutachten veranlassen, sich mit dem Gesundheitsamt rumschlagen? Wenig ergiebig und unrentabel! Das macht der Amtsarzt in Kooperation mit dem Hausarzt.
So jetzt kommen noch die Phobiker und Angst und Panikpatienten und sonstige Neurosen und Persönlichkeitsstörungen. Da kann man ja mit Medikamenten nicht allzu viel ausrichten. Diese bräuchten zusätzlich noch eine Psychotherapie. Will man diese Psychotherapie machen, kommt man in das Dilemma ob man überwiegend psychiatrisch oder überwiegend psychotherapeutisch tätig sein will. Beides geht in Bayern so einfach nicht. Da gibt es einen Strukturvertrag, der scheinbar so geregelt ist, dass wenn man sich für die überwiegend psychiatrische Tätigkeit entscheidet, offensichtlich die psychotherapeutische Tätigkeit kaum mehr honoriert bekommt. Will man aber doch überwiegend psychotherapeutisch tätig sein, braucht man keine schweineteure Psychiaterpraxis kaufen (ganz Bayern ist für Psychiatrie gesperrt), sondern man schnappt sich einen billigen oder ganz freien (ärztlichen) Psychotherapeutensitz und arbeitet nur noch psychotherapeutisch. Dann darf man aber nur noch für max 5.- Euro pro Quartal pro Kopf Medikamente verschreiben. Man wird quasi als Arzt zum reinen Psychologen reduziert. Die Psychologen schlafen nicht! Die dürfen ab 2008 sich hemmungslos niederlassen weil dann die Quotenregelung wegfällt, die dafür sorgte, dass unter den Psychotherapeuten der ärztliche Anteil hoch gehalten bleibt. Ich schätze mal dass dieser Patientenanteil zukünftig vom Hausarzt und Psychologen oder auch vom Hausarzt und Facharzt für Psychotherapie und Psychosomatik versorgt wird wenn es um mehr psychosomatische Probleme geht. Die Psychiater haben sich hier von den Psychologen und von dem „neumodischen“ Facharzt für Psychotherapie und Psychosomatik das Wasser abgraben lassen!
Bleiben noch die Soft-Psychiatrie Patienten. Depressive, schizophren oder bipolar erkrankte mit weitgehend stabilem Verlauf, die ambulant geführt werden können, nur selten mal vorbeischauen zum kurzen symptombezogenen psychiatrischen Gespräch (15 min) und ein Verlängerungsrezept holen. Vielleicht muss man sie auch mal einweisen. Allerdings könnte diese Patientengruppe auch von (weitergebildeten) Hausärzten übernommen werden. So doof sind die Hausarztkollegen nämlich nicht, dass sie dafür die Unterstützung eines Facharztes bräuchten. Will man seine Psychiatriepraxis auf diese Patientengruppe stützen, braucht man dringend noch Privatpatienten, die lieber zum Facharzt als zum Hausarzt oder Psychologen gehen wollen. Eine richtig sichere Zukunft geht auch in diesem Fachgebiet nur mit Privatpatienten in der Nähe von wirtschaftlich begünstigten Ballungsräumen.
musst bloss deine patienetn vorselektieren, dann gehts auch mit ner normalen Praxis:
Terminvvergabe nur telefonisch oder vor Ort und nur zu streng definierten zeiten (max. 20 min/d). wer so gut strukturiert ist, macht meistens keinen ärger........und frisst keine unnütze zeit...
Ärzteschaft im Umbruch: Die Ausbeutung der Arbeitskraft und die Überlastung insbesondere junger Ärztinnen und Ärzte hat das Deutsche Ärzteblatt in mehreren Beiträgen thematisiert. Auch auf dem 104. Deutschen Ärztetag in Ludwigshafen war es ein zentrales Thema. Der Druck dürfe nicht weiter von oben nach unten weitergereicht werden, hieß es. Dieses Forum soll den Ärzten als Plattform für den persönlichen Erfahrungsaustausch dienen. Wir bitten, dabei auf persönliche Verunglimpfungen und insbesondere auf Namensnennungen zu verzichten. Die Redaktion behält sich vor, derartige Beiträge zu entfernen