Ärzte warnen vor dem Ende der Schweigepflicht Donnerstag, 18. Oktober 2007 Berlin - Ärzte- und Sozialverbände haben das Vorhaben der Bundesregierung kritisiert, Ärzte zu verpflichten, patientenbezogene Daten bei selbstverschuldeten Erkrankungen den Krankenkassen mitzuteilen. Diese Regelung hat das Bundeskabinett am Mittwoch im Zusammenhang mit der Pflegereform beschlossen.
„Das Vorhaben ist ein Generalangriff auf die ärztliche Schweigepflicht und das verfassungsrechtlich geschützte Patientengeheimnis“, kritisierte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, gegenüber der „Berliner Morgenpost“ von Freitag. Die Patienten würden ihr Vertrauen gegenüber dem Arzt verlieren, wenn Ärzte verpflichtet werden, ihre Patienten auszuhorchen.
Auch der Marburger Bund (MB) reagierte empört. „Dieses Vorhaben der Bundesregierung ist ein unverfrorener Angriff auf die im ältesten kodifizierten Menschenrecht festgelegte Schweigepflicht des Arztes“, sagte der erste Vorsitzende des MB, Frank Ulrich Montgomery, am Donnerstag. Er forderte die Ärzte auf, sich gegen dieses Vorhaben der Bundesregierung zu stellen. „Das Menschen- und Arztbild hinter diesem Gesetz ist das eines Kontroll- und Überwachungsstaates, der jeglichen Respekt vor dem Patienten-Arzt-Verhältnis verloren hat“, kritisierte Montgomery.
Prinzipiell ist es laut MB aber vorstellbar, Patienten, die sich Krankheiten selbst beigebracht haben, an den Kosten der Versorgung zu beteiligen. Die Ärzteschaft habe für solche Fälle bereits Wege vorgeschlagen. Denkbar sind laut Montgomery zweckgebundene Aufschläge auf die Tabak- und Branntweinsteuer oder gesetzliche Regulierungen für Schönheitsoperationen, Tätowierungen und Piercings.
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) kritisierte ebenfalls die vorgesehene Meldepflicht für Ärzte als „Verpflichtung zum Bruch der ärztlichen Schweigepflicht“. Die Ärzte würden zu Erfüllungsgehilfen der Krankenkassen gemacht und das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient schwer beeinträchtigt, sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer. Auch wenn die Meldepflicht auf die Folgen von Schönheitsoperationen, Tätowierungen und Piercings beschränkt werden solle, sei sie grundsätzlich abzulehnen. „Hier darf kein Präzedenzfall geschaffen werden“, so Bauer.
Mein Kommentar: Und was machen wir, wenn die Patinten eine psychische Komorbidität haben? Dann ist es ja nicht selbstverschuldet. Z.b. eine Zwangsstörung mit zwanghaftem Pickel ausqetschen bis zur Selbstverstümmelung, oder Nägelkauen mit Abszessen oder Blasenentzündungen/Erkältungen wegen modischer Kleidung oder Fussfehlstellungen wegen falscher Schuhe oder Borderliner, die sich selber schneiden und auch mal ihre Sehen am Unterarm durchtrennen. Alles selbstverschuldet? Albern!!!! Die Vorschläge vom MB sind peinlich und typisch für ihn! An den wenigen, die sich ihren Bauchnabelabszess wegen vorausgegeangenem piercing auf Krankenkassenkosten behandeln lassen geht das Gesundheitssystem nicht zugrunde.
Das ist Hezte, schwarze Schafe suchen, etc. Und es ist ein Ablenken von dem , was das Gesundheitssystem wirklich kaputt macht!
es ist ja absolut lächerlich, als arzt hat man doch nicht dem patienten die "schuld" für seine leiden in die schuhe zu schieben. dass man steuern auf alkohol und zigaretten erhöhen kann, klar. aber jetzt nach weiteren melkkühen zu suchen und die patienten zur kasse zu bitten wäre eines rechtsstaates nicht würdig, und käme dann schon sehr einer kommunistischen dikatur nahe.
es gibt genug einsparungspotential bei der verwaltung von kassen und kammern, man sollte mal dort anfangen bevor man derart pervertierte gedanken auch nur zu denken wagt.
wer bestimmt denn, welche leiden und wann derartige leiden "selbstverschuldet" sind??? die götter in weiss? oder doch die KVs? am ende noch der gesundheitsminister?
Das sind wirklich pervertierte Gedanken! Mich erinnert es eher an das dritte Reich als an eine kommunistische Diktatur. Bei jeder Erkrankung müsste der Arzt statt Anamnese erst mal ein Verhör machen und das Ergebnis der Versicherung unverblümt weiterleiten.
Also, da kommt ein Assistenzarzt in die Sprechstunde, der trotz Grippe mit Antibiose und Aspirin seinen Weihnachtsdienst angetreten hat und sich dadurch eine Myocarditis einfängt. Selbstverschuldet! Oder der Bergwanderer, der sich verlaufen hat und nach einem Notbiwak sich 2 Zehen abnehmen lassen muss. Selbstverschuldet!
Man denke an den Papierkrieg, der dann entstehen würde. Die Versicherungsnachfragerei, die dann folgen würde. Z.B. „War es zum Zeitpunkt des Antritts der Bergtour ersichtlich, dass das Wetter sich ändern würde? Wurde der Patient vom Bergschuhverkäufer anständig beraten, oder hatte er falsches Schuhwerk? Hat sich der Assistenzarzt vor Antritt des Dienstes und vor Einnahme von Aspirin das Fieber gemessen“, etc…. Komödienstadlreif!
Bin kein Jurist, aber Deutschland kann nie und nimmer im Alleingang das Versicherungsrecht ändern. Eine Lachnummer für die europäischen Nachbarn! Das Allerschlimmste: Der MB versucht politisch-diplomatisch mit einer Selbstbeteiligung für diesen Blödsin zu sein:
„Prinzipiell ist es laut MB aber vorstellbar, Patienten, die sich Krankheiten selbst beigebracht haben, an den Kosten der Versorgung zu beteiligen. Die Ärzteschaft habe für solche Fälle bereits Wege vorgeschlagen. Denkbar sind laut Montgomery zweckgebundene Aufschläge auf die Tabak- und Branntweinsteuer oder gesetzliche Regulierungen für Schönheitsoperationen, Tätowierungen und Piercings.“
Und was folgt nach???? Wehret den Anfängen! Was für eine Standeserniedrigende Schnapsidee! Wer jetzt noch im MB ist, hat wirklich nichts begriffen!!! Erschreckend!
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