Was mich außer der Intransparenz des Honorierungssystems davon abhalten wird, mich nach Abschluss meiner Weiterbildung in Deutschland niederzulassen, ist die Vorstellung, dann mit Kollegen in einenTopf geworfen zu werden, die sich von 118 000 Euro Praxisgewinn auf 34 000 Euro/a netto oder noch weniger für den Unterhalt einer ganzen Familie runterrechnen.
34 000 Euro/a sind ca. 2900 Euro/Monat. (Manche rechnen sich sogar von brutto 120 000 Euro /a auf netto 2700 Euro/Monat "netto" runter. Da wäre man mit einer vierköpfigen Familie nahe am ALG-II-Niveau.
Ein Ehepaar mit zwei Kindern bekommt je nach Alter der Kinder zwischen gut 1000 und knapp 1200 Euro/Monat. Dazu kommt noch der Anspruch auf Ersatz der Kosten für Unterkunft und Heizung. Da kommt man insgesamt in den Bereich von ca. 2000 Euro/Monat. Und da will man der Öffentlichkeit weismachen, das DURCHSCHNITTS-Honorar eines Kassenärztes brächte diesem als Familienvater ein netto-Einkommen, das nur 30 bis 50 % über dem ALG-II läge?
Darf ich darüber öffentlich lachen oder muss ich dazu in den Keller gehen?
Falls jemand eine solche Rechnung tatsächlich für richtig halten sollte, fehlten mir die stubenreinen Worte, um das zu kommentieren.
Falls jemand eine solche Aussage aber wider besseres Wissen in der Öffentichkeit und gegenüber seinen Patienten verbreiten sollte, wäre es meiner Meinung nach eine grandiose Patientenver****** und mit solchen Kollegen wollte ich nicht in einen Topf geworfen werden.
Damit es keine Missverständnisse gibt: Ich kritisiere nur das Verbreiten solcher Berechnungen zum netto-Einkommen eines DURCHSCHNITTS-Vertragsarzts.
Ich bezweifle nicht, dass es niedergelassene Kollgen gibt, deren "netto"-Einkünfte selbst nach dem Splitting-Steuertarif tatsächlich unter 3000 Euro/Monat liegen. Aber deren Praxis-Umsätze und Praxis-Gewinne müssen dann deutlich unter dem Durchschnitt liegen.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Gesamt-Umsätze von mehr als der Hälfte der Niedergelassenen unter dem Durchschnitt liegen und auch die Zahlen der KBV zeigen, dass die GKV-Umsätze von mehr als 50 % der Niedergelassenen unter dem Durchschnitt liegen.
Kollegen, deren Paxis-Umsätze und -Gewinne - egal aus welchen Gründen - sehr deutlich unter dem Durchschnitt liegen, können tatsächlich auf weniger als 3000 Euro/Monat "netto" kommen. Wenn ICH trotz sorgfältiger Vollzeitarbeit einer dieser Kollegen wäre, würde ich mich so schnell wie möglich aus diesem System verabschieden.
ist, ob sich der Kollege wirklich einen Gefallen damit tut. Allerdings muss man ja auch ehrlicherweise Sagen, dass andere auch lügen, dass sich die Balken biegen. Wir hatten die Diskussion mit Gehältern und Arbeitskonditionen für Assistenten. Da meinen auch die meisten sie stehen in Europa und der ganzen Welt ganz hinten. ( Objektiv absolut nicht. und die Arbeitsbedingungen haben sich wohl auch nicht so verschlechtert. Wenn ich hier höre, wie sich manche Kollegen darüber aufregen. Mein Vater konnte sich über die Arbeitsbedingungen beschweren. Ich konnte mich über die Arbeitsbedingungen beschweren. Die waren allerdings besser als die meines Vaters. ) Ich gebe dir aber völlig recht in deiner Klinik zu bleiben, wenn du dich wohlfühlst.
adonis: >Allerdings muss man ja auch ehrlicherweise Sagen, dass andere auch lügen, dass sich die Balken biegen.<
Du hast Recht: Was manche der im KH angestellten Kollegen über ihre Gehälter verbreiten verbreiten ist oft genauso lächerlich. Aber der wesentliche Unterschied zu den Märchen der Niedergelassenen besteht wenigstens darin, dass die Aussagen der Angestellten von jedem interessierten Außenstehenden anhand der Tarifverträge sehr leicht überprüft und widerlegt werden können, während das intransparente Kassenarztsystem solche Überprüfungen sehr schwer macht. Da ist man häufig auf Plausibilitätsbetrachtungen angwiesen.
adonis: >So nun weihnachtliche Grüsse aus Schweden.<
Ist für Dich etwa schon Weihnachten? Hast Du schon Urlaub?
Ich hab diese Woche frei (Ausgleich für Nachtschichtwoche), aber dann muss ich wieder ran; auch an Weihnachten.
Gruß ins dunkle und verschneite, aber landschaftlich schöne Schweden. Hab in den letzten Tagen ab und zu die Sportschau-Übertragungen aus Östersund gesehen und bin fast neidisch auf Eure schöne Landschaft geworden.
Nach den Klinikärzten gehen nun auch die Niedergelassenen auf die Straße: Kassenärzte protestieren gegen Honorarverluste, Arzneiregresse, Bürokratie und politische Gängelung.